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Herzchirurgie und Thoraxchirurgie / Klinik / Nachrichten / 24.10.2014

24.10.2014

UKJ-Herzchirurgen setzen auf neue minimal-invasive Operationstechnik. Eine deutsche TV-Premiere: Erstmals hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) eine komplette Herzoperation übertragen.

Klinik-Magazin 4|2014|Seite 22 - Presselink

Eine deutsche TV-Premiere:
Erstmals hat der Mitteldeutsche
Rundfunk
(MDR) eine komplette
Herzoperation
übertragen. „Hauptdarsteller“:
die Herzchirurgen des
Universitätsklinikums Jena und
Harald Kühne, 75 Jahre alter Patient
aus Sömmerda, dessen undichte
Herzklappe mit einem innovativen
OP-Verfahren wiederhergestellt
wurde.
Eine deutsche TV-Premiere: Erstmals hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) eine komplette Herzoperation übertragen. „Hauptdarsteller“: die Herzchirurgen des Universitätsklinikums Jena und Harald Kühne, 75 Jahre alter Patient aus Sömmerda, dessen undichte Herzklappe mit einem innovativen OP-Verfahren wiederhergestellt wurde.

Angeborene oder altersbedingte Schädigungen der Mitralklappe gehören zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen. Mitralklappendefekte können in den meisten Fällen chirurgisch repariert werden. Am Universitätsklinikum Jena kommt dabei eine innovative Operationstechnik zum Einsatz, die so in Deutschland bislang nur an wenigen Kliniken angewendet wird. Dabei verzichten die Herzchirurgen auf das aufwendige und mit einer längeren Heilungszeit verbundene Durchtrennen des Brustbeins. Sie operieren stattdessen minimal-invasiv. Die Durchtrennung des Brustbeinknochens war lange Zeit das Standardverfahren in der Herzklappenchirurgie, wie Prof. Dr. Torsten Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, erläutert. Über einen bis zu 25 Zentimeter langen offenen Schnitt verschafften sich die Herzchirurgen Zugang zum Herz. Am UKJ haben die Herzchirurgen nun ein für die Patienten schonenderes Verfahren etabliert, bei dem die Instrumente unter Vollnarkose über einen kleinen Schnitt in Herzhöhe an der rechten Körperseite eingeführt werden. Über die Leiste schieben sie zudem Katheter ein, über die die Patienten während der Operation an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Bisher wurden in der UKJ-Herzchirurgie mehrere hundert Patienten mit Mitralklappenschaden auf diese Weise operiert.

Die Vorteile der Operationstechnik beschreibt Doenst so: „Bei offenen Operationen mit Durchtrennung des Brustbeins muss anschließend der Brustkorb längere Zeit ruhiggestellt und stabilisiert werden, damit es nicht zu Entzündungen kommt. Das geschieht mit Drähten oder einer Spezialweste, die die Patienten tragen müssen – was natürlich eine gewisse Belastung ist. Bei dem neuen Verfahren ist dies nicht nötig.“ Das habe wiederum den Vorteil, dass die Patienten schneller mobilisiert werden könnten. „Sie sind schneller körperlich belastbar und früher zur Anschlussheilbehandlung in einer Reha-Klinik in der Lage.“ Auch die Wundheilung verlaufe unkomplizierter. „Wir haben ja weniger Wundfläche.“ Der Schnitt, über den die Herzchirurgen OP-Instrumente und 3-D-Kamera einfädeln, ist je nach Umfang des Eingriffs drei bis maximal acht Zentimeter groß. Doenst: „Das bringt natürlich auch ein kosmetisch besseres Ergebnis.“

Am UKJ kommt das Verfahren jetzt auch bei Schädigungen der Aortenklappen zur Anwendung. „Die Basis dafür sind die Erfahrungen, die wir mit minimal-invasiven Mitralklappenoperationen in den vergangenen Jahren gesammelt haben“, so Doenst. „Praktisch bedeutet das, dass wir jetzt alle Herzklappenoperationen ohne Durchtrennung des Brustbeins durchführen können.“ Die Entscheidung, welche Patienten für dieses Verfahren in Frage kommen, hängt dabei immer vom jeweils konkreten Krankheitsverlauf und den Begleiterkrankungen ab. Sie wird von den Herzchirurgen gemeinsam mit den Kardiologen des UKJ getroffen. „Herzchirurgie ist Teamwork“, betont Doenst.

Katrin Zeiß

Minimal-invasive Herzklappen-Operation am UKJ: In vielen Fällen kann 
 Prof. Torsten Doenst (Foto links) auf einen großen Brustschnitt verzichten. 
 Fotos: Schroll
Minimal-invasive Herzklappen-Operation am UKJ: In vielen Fällen kann Prof. Torsten Doenst (Foto links) auf einen großen Brustschnitt verzichten. Fotos: Schroll

Die Fernsehkamera im OP-Saal

Harald Kühne (75) hat viele Jahre Kräne und Baumaschinen gefahren. Vor etwa  zehn Jahren bekam er auf einmal Probleme mit einer seiner Herzklappen. Die  Mitralklappe funktionierte nicht mehr richtig – damit war die Sauerstoffversorgung  seines Herzes gestört. Am Universitätsklinikum Jena wurde er mit einem  neuen, minimalinvasiven Verfahren operiert. Dabei stand ein MDR-Kamerateam  mit im OP-Saal und filmte für die Sendung „Hauptsache gesund“.

Herr Kühne, haben Sie den Film über Ihre OP selbst schon gesehen?

Kühne: Nicht komplett, sondern nur die  Kurzfassung im Fernsehen. In Gänze ist er  ja noch im Internet zu sehen.

Waren Sie sehr aufgeregt, weil die OP übertragen wurde?

Kühne: Überhaupt nicht. Die Ärzte am UKJ haben mir ja vorher alles ganz genau erklärt. Auch dass es so eine Art Lehrfilm für die Medizinstudenten werden soll, das ist ja eine gute Sache. Die OP-Vorbereitung verlief so wie auch bei anderen Operationen, die Fernsehleute haben da  gar nicht gestört. Und von der OP habe ich ja sowieso nichts gemerkt, da war ich  schließlich in Vollnarkose.

Wie geht’s Ihnen jetzt?

Kühne: Gut. Natürlich muss ich relativ viele Medikamente nehmen und kann mich nur vorsichtig körperlich belasten. Auch bei der Ernährung muss ich aufpassen, darf zum Beispiel bestimmte Gemüsearten wie Broccoli oder Spinat nicht  essen, weil die viel Vitamin K haben und sich das mit den Gerinnungshemmern nicht verträgt. Aber vor der Operation hatte ich kaum noch Luft bekommen wegen der Herzprobleme – da geht es mir jetzt schon viel besser.           (zei)  

 
 
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