Jena (UKJ/sk). Für Romy Hörbe und Markus Kämmerer war die Geburt ihres ersten Kindes ein ganz besonderes Erlebnis – und eine große Herausforderung. Ihr Sohn Lio kam am 15. Juni 2026 um 6:31 Uhr im Universitätsklinikum Jena (UKJ) auf natürlichem Weg aus Beckenendlage zur Welt. Der Junge wog bei der Geburt 2.825 Gramm und war 48,5 Zentimeter groß.
Etwa vier Prozent aller Kinder liegen zum Geburtstermin in einer sogenannten Beckenendlage. Dabei befindet sich der Kopf des Kindes nicht im Becken, sondern im oberen Bereich der Gebärmutter, während das Gesäß oder die Füße nach unten zeigen. Am UKJ werden jährlich etwa 90 Kinder aus Beckenendlage geboren.
Bereits während der Schwangerschaft war versucht worden, das Kind mittels äußerer Wendung in die optimale Geburtsposition zu bringen. Dabei versuchten speziell geschulte Geburtsmedizinerinnen und Geburtsmediziner, das Kind durch gezielte Handgriffe von außen in Schädellage zu drehen. Dies blieb jedoch ohne Erfolg. Für die werdenden Eltern stand dennoch fest, dass sie sich eine natürliche Geburt wünschten.
„Für uns war es wichtig, eine Klinik aufzusuchen, die Erfahrung mit Beckenendlagengeburten hat“, so Romy Hörbe. „Ich habe mich intensiv vorbereitet, unter anderem mit Pilates inklusive gezieltem Atemtraining, einer bewussten Ernährung und Supplementierung sowie einem Geburtsvorbereitungskurs direkt am UKJ.“ Vater Markus Kämmerer ergänzt: „Es hat uns sehr geholfen, die Klinik bereits zu kennen. Die Möglichkeit einer hebammengeführten Geburt und gleichzeitig die Sicherheit, bei Bedarf sofort auf das gesamte interdisziplinäre Team aus Hebammen, Ärztinnen und Ärzten zurückgreifen zu können, hat uns viel Vertrauen gegeben.“
Die Geburt dauerte insgesamt nur dreieinhalb Stunden. Dennoch wurde sie für die Familie zwischenzeitlich zu einer nervenaufreibenden Situation. Als Lio während der Geburt kurz feststeckte und sogar eine Notsectio – also ein Notkaiserschnitt – thematisiert wurde, mobilisierte die Mutter noch einmal alle Kräfte. Dank der Expertise des Teams, das mit speziellen Handgriffen bei der Geburt unterstützte, konnte dem kleinen Lio schließlich auf die Welt geholfen werden.
„Der gesamte Kreißsaal hat mich angefeuert. Gemeinsam haben wir es geschafft. Dass Lio schließlich auf natürlichem Weg zur Welt kommen konnte, war echtes Teamwork“, sagt Romy Hörbe. „Unser besonderer Dank gilt dem gesamten Team der Geburtsmedizin und Oberärztin Dr. Anna Kolterer.“
Erfahrung schafft Sicherheit bei Beckenendlagen
Dank spezieller Expertise und sorgfältiger Geburtsplanung ist unter geeigneten Voraussetzungen auch eine vaginale Geburt möglich. Sollten die Risiken, wie zum Beispiel eine Frühgeburt oder ein geschätztes Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm, jedoch überwiegen, kann ein geplanter Kaiserschnitt in Betracht gezogen werden.
Vor einer Entscheidung und nach genauen Untersuchungen des ungeborenen Kindes mittels Ultraschall und des mütterlichen Beckens werden die werdenden Eltern in ausführlichen Geburtsplanungsgesprächen zu den individuellen Risiken einer vaginalen Beckenendlagengeburt beraten. Zusätzlich kann nach der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche die äußere Wendung angeboten werden.
„Dieses Jahr haben wir bereits zwölf vaginale Beckenendlagengeburten betreut“, so Dr. Anna Kolterer, Oberärztin an der Klinik für Geburtsmedizin. „Wir sind glücklich, dass wir nach sorgfältiger Einschätzung des Risikos und mit entsprechender Erfahrung in unserem interdisziplinären Team aus Hebammen, Ärztinnen und Ärzten Frauen trotz Beckenendlage eine natürliche Geburt anbieten können.“
Für die junge Familie endete die aufregende Geburt mit einem glücklichen Ausgang: Bereits drei Tage nach der Entbindung konnten Mutter und Sohn gesund entlassen werden.
Kontakt:
Ambulanz der Klinik für Geburtsmedizin, Universitätsklinikum Jena
Telefon: 03641 329250 oder 329201
