Bis zum Jahr 2035 wird laut Statistiken jede zweite Geriaterin beziehungsweise jeder zweite Geriater in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig wird durch den demographischen Wandel die Zahl an geriatrischen Patientinnen und Patienten wachsen. Die spezialisierte Altersmedizin, welche die besonderen medizinischen Herausforderungen dieser Patientengruppe meistert, wird damit wichtiger denn je. „Bisher gehen die klinische Realität und die Ausbildung allerdings auseinander“, weiß Dr. Kristin Häseler-Ouart, Lehrkoordinatorin und Oberärztin in der Klinik für Geriatrie am UKJ.
Um den steigenden Bedarf im Fach- gebiet künftig gerecht zu werden, ist es entscheidend, in den kommenden Jahren guten geriatrischen Nachwuchs in entsprechender Zahl auszubilden. In Jena wurde dafür im vergangenen Jahr ein wichtiger Grundstein mit der neu eingerichteten Professur für Geriatrie an der Friedrich-Schiller-Universität gelegt. „In Deutschland gibt es nur eine Hand- voll universitäre geriatrische Kliniken, also einen Lehrstuhl in Geriatrie an der Uni, der direkt an eine Uni-Klinik angebunden ist. Am UKJ haben wir das jetzt“, so Kristin Häseler-Ouart. Das ist ein entscheidender Vorteil, da so aktuelle Forschungsergebnisse direkt in die Lehre einfließen und damit auch in der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses zum Tragen kommen. „Die Studierenden können vom dritten Semester an über das Praktische Jahr und den Facharzt bis hin zur Zusatzbezeichnung Geriatrie bei uns dieses Fachgebiet erlernen. Das heißt, je nach dem Ausbildungsstand bekommen sie am UKJ das, was es braucht, um geriatrisch arbeiten zu können“, erklärt die Lehrkoordinatorin. Und eine gute Ausbildung ist gerade in dieser Fachdisziplin wichtig. „Ich sage immer, Geriatrie ist wie ein guter Krimi. Wir haben ein Problem, das wir versuchen zu lösen. Es gibt keine Diagnosen, die nur geriatrische Patientinnen und Patienten betreffen. In der Geriatrie werden Symptomkomplexe versorgt und behandelt. Es hilft daher kein patho-physiologisches Lehrbuchwissen allein, sondern es geht viel um das Verstehen von Zusammenhängen“, betont Kristin Häseler-Ouart. Und genau aus diesem Grund unterscheidet sich auch die Lehre in der Geriatrie von der in anderen Fachdisziplinen. „Es geht viel um Selbsterfahrungen. Die Studierenden lernen beispielsweise, wie es ist, sich eingeschränkt zu bewegen, aber auch soziale Komponenten einzubeziehen“, so die Geriaterin.

