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Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde / Informationen zur Klinik / Äthiopien / Karitative Arbeit
Informationen zur Klinik

Karitatives Engagement der HNO-Klinik Jena in Äthiopien

Patientenuntersuchung in Wolisso

Seit 2008 hilft die HNO-Klinik auch Patienten mit HNO-Erkrankungen in Äthiopien. Der bisherige Schwerpunkt der Hilfe liegt auf chronischen Ohrerkrankungen. Wie in anderen Entwicklungsländern leiden in Äthiopien bereits kleine Kinder unter chronischen Ohrerkrankungen, die langfristig zu bleibender Schwerhörigkeit oder Ertaubung führen können. Diesen Missstand hat auch die WHO erkannt und die Prävention von Schwerhörigkeit und Taubheit zu einem Schwerpunktprogramm gemacht (siehe Website der WHO).

Prof. Dr. Hans Manni, emeritierter HNO-Professor aus Maastricht, Niederlande, hat im Jahr 2000 begonnen, jeweils einen HNO-Untersuchungsraum in zwei Krankenhäusern in Südwest-Äthiopien einzurichten. Mittlerweile ist es möglich, HNO-Patienten umfangreich zu untersuchen, zu behandeln und Operationen vorzunehmen. Prof. Hans Manni koordiniert federführend die Einsätze und reist auch mit anderen niederländischen Kollegen regelmäßig nach Äthiopien.

Postoperative Visite nach Ohroperation in Attat

Das eine Krankenhaus ist das Attat Hospital in Attat, das aus dem Krankenhaus und einer Reihe von Hütten besteht, die sich um das Krankenhaus im Laufe der Jahre gebildet haben. Das Krankenhaus gehört der katholischen Kirche Äthiopiens. Das Krankenhaus liegt in der Gurage-Region und betreut ein Einzugsgebiet von geschätzt 2.000.000 Menschen. Die Einrichtung ist sehr einfach, doch ist die Leistung beachtlich: Das Krankenhaus hat 65 Betten und hat 2007 68.413 Patienten ambulant und 601 Patienten stationär behandelt. Hier sind Operationen nur in lokaler oder regionaler Betäubung möglich.

Das andere Krankenhaus ist das St. Luke Catholic Hospital in Wolisso. Wolisso ist die Hauptstadt der südwestlichen Shoa in der Oromi-Region. Das Krankenhaus gehört ebenfalls der katholischen Kirche Äthiopiens. Hier gibt es 138 Betten und auch zwei zentrale Operationssäle, in den Patienten in Vollnarkose operiert werden können. Demnächst kommt noch eine spezielle Einheit für orthopädische Eingriffe hinzu. Hier wurden 2006 47088 Patienten ambulant und 7182 Patienten stationär behandelt. Seit November 2008 gibt es als kleines Gebäude die "Head Unit". Hier ist die Ambulanz für den Augenarzt, die visitierenden HNO-Ärzte und noch geplant für den Zahnarzt untergebracht. Zusätzlich gibt es einen Eingriffsraum für Operationen in Lokalanästhesie. Im Krankenhaus ist auch eine Krankenschwesterschule untergebracht.

Out-reach Programm. Regelmäßig werden noch andere kleinere Krankenstationen für eine Tagesreise besucht um dort HNO-Untersuchungen und Behandlungen anzubieten. Bislang wird dieses Programm in Walga, einer kleinen Krankenstation, ebenfalls im Gurage-Gebiet, angeboten. Es ist geplant, das Programm auf weitere Dörfer auszudehnen.

HNO-Unterricht. Prof. Manni hat in Attat zwei Krankenpfleger und in Wolisso eine Krankenschwester weitergebildet. Diese sind in der Lage die HNO-Ambulanz zu führen, Höruntersuchungen vorzunehmen, die Nachsorge der operierten Patienten zu übernehmen und die Einbestellung der Patienten für Operationen zu koordinieren. Während der Aufenthalte in Wolisso wird von den HNO-Ärzten Unterricht für die Krankenschwesternschüler in HNO-Heilkunde abgehalten.

Ohroperation in Attat

HNO-Erkrankungen. Das häufigste Krankheitsbild sind Kinder und Erwachsenen mit chronischer Otorrhoe auf der Basis einer chronischen Otitis media mesotympanalis. Auch die Polyposis nasi ist häufig. Daneben kommen alle HNO-Erkrankungen vor, die auch bei uns beheimatet sind. Im Unterschied zu Deutschland stehen bei den malignen Erkrankungen Weichteil- und Knochenmalignome im Vordergrund. An afrika-spezifischen Erkrankungen sehen wir vor allem die mukokutane Leishmaniose und Tuberkulose im HNO-Gebiet .

HNO-Operationen. Tympanoplastiken mit/ohne Kettenrekonstruktion sind die häufigsten Operationen. Ansonsten haben wir vorgenommen: Mastoidektomien, Paukendrainagen, Tonsillektomien, Polypektomien, Nasennebenhöhlen-Operationen, partielle Glossektomien, Parotidektomien, Partielle Maxillektomien und kleine HNO-Eingriffe.

2008 erfolgte der erste zweiwöchige Besuch. Es wurden in Wolisso etwa 650 HNO-Patienten untersucht und 20 Operationen in Vollnarkose wurden vorgenommen. 2009 waren wir zunächst eine Woche in Attat und haben 550 Patienten untersucht und 58 Operationen vornehmen können. In der zweiten Woche in Wolisso haben wir 350 Patienten ambulant untersucht und nochmals 43 Operationen vornehmen können. Die Besuche wurden danach regelmäßig wiederholt, von 2009 bis 2012 integriert in ein DAAD-Projekt. Mittlerweile ist eine sehr selbständige Struktur vor Ort entstanden, was uns sehr freut.


Ansprechpartner

Univ.-Prof. Dr. med. Orlando Guntinas-Lichius
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde,
Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

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