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Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde / Schlagwörter / Speicheldrüsentumoren
HNO-Krankheiten und Therapien

Die Behandlung von Speicheldrüsentumoren

Übersicht

Abklärung eines Ohrspeicheldrüseentumors (Parotistumor)

Behandlung bösartiger Ohrspeicheldrüsentumore (Parotistumore)

Behandlung gutartiger Ohrsppeicheldrüsentumore (Parotistumore)

Informationen zur Abklärung eines Ohrspeicheldrüsentumors (Parotistumor)
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Informationen zur Behandlung eines bösartigen Ohrspeicheldrüsentumors (Parotistumor)
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Informationen zur Behandlung eines gutartigen Ohrspeicheldrüsentumors (Parotistumor)
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Einleitung

Die Behandlung von Speicheldrüsentumoren stellt einen Schwerpunkt in der Jenaer Universitäts-HNO-Klinik dar.

Die Behandlung von Speicheldrüsentumoren ist schwierig, da es zum einen keine häufige Erkrankung ist und zum anderen viele verschiedene Arten von gutartigen und bösartigen Speicheldrüsentumoren zu unterscheiden sind. Man benötigt große Erfahrung auf dem Gebiet der Speicheldrüsentumoren, um jedem einzelnen Patienten mit seinem besonderen Fall gerecht zu werden.

Aufgrund unserer Erfahrung möchten wir in folgendem die am häufigsten von den Patienten mit Speicheldrüsentumoren gestellten Fragen beantworten.

Welche Speicheldrüsen gibt es?

Darstellung der Speicheldrüsen

Für die Speichelproduktion besitzt der Mensch die paarige Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis), die paarige Unterkieferspeicheldrüse (Glandula mandibularis) und die paarige Unter- zungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis). Diese 6 Speicheldrüsen werden als die großen Speicheldrüsen benannt. Die Abbildung zeigt schematisch die Lage der Ohrspeicheldrüse und der Unterkiefer- speicheldrüse. In diesen Drüsen findet sich die Mehrzahl der Tumore. Die Unterzungen- speicheldrüse liegt der Unterkiefer- speicheldrüse vorne an.

Daneben gibt es 600 - 1000 kleine Speicheldrüsen, die regelmäßig über die Schleimhaut des Mund-Rachenraumes verteilt sind. Da der Mensch so viele Speicheldrüsen besitzt, beeinträchtigt die Entfernung einer großen Speicheldrüse in der Regel nicht die täglich notwendige Speicheldrüsenproduktion. Tumoren der Speicheldrüsen kommen am häufigsten in der Glandula parotis vor.

Welche Arten von Speicheldrüsentumoren gibt es?

Die Tumore in den Speicheldrüsen sind in dreiviertel der Fälle gutartige Tumore und in einem viertel der Fälle bösartige Tumore.

Bezogen auf die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) sind etwa 80% der Tumoren gutartig und 20% bösartig. Der bei weitem häufigste gutartige Speicheldrüsentumor ist das pleomorphe Adenom. Der zweithäufigste gutartige Tumor ist der Warthin-Tumor (Zystadenolymphom). Damit wären bereits die beiden wichtigsten gutartigen Tumoren genannt. Andere gutartige Tumoren sind bereits sehr selten.

Bei den bösartigen Tumoren gibt es eine Vielzahl von Subtypen, die aufgrund ihrer feingeweblichen Eigenschaften unterschieden werden. Die häufigsten Tumoren sind das Mucoepidermoid-Karzinom, das adenozystische Karzinom, Adenokarzinome, das Acinuszell-Karzinom, Plattenepithelkarzinome, Metastasen eines anderen Tumors im Bereich der Speicheldrüsen neben einer Reihe von sehr seltenen bösartigen Tumoren.

Bösartige Tumoren der Speicheldrüsen müssen sehr ernst genommen werden, da diese Tumoren häufig zur Absiedlung von Metastasen in den Halsweichteilen neigen. In unserem eigenen Krankengut konnten wir das Vorliegen von Lymphknotenmetastasen abhängig vom feingeweblichen Subtyp in 35 bis 65% der Fälle feststellen.

15 bis 35% der Tumore wiesen bereits Fernmetastasen auf. Trotz einer optimalen Behandlung ist in 40 bis 80% der Tumoren mit einem Wiederauftreten des Tumors (Lokalrezidiv) zu rechnen. Dies unterstreicht die Bösartigkeit dieser Tumore und die Notwendigkeit einer Behandlung in einem erfahrenen Zentrum. Die Bösartigkeit von Speicheldrüsentumoren wird oftmals deshalb unterschätzt, weil es sich bei einem bösartigen Speicheldrüsentumor im Vergleich zu anderen bösartigen Tumoren, wie Lungenkrebs, Brustkrebs oder Darmkrebs, um einen relativ seltenen bösartigen Tumor handelt. Deswegen haben viele Ärzte keinen häufigen Kontakt zu Patienten mit Speicheldrüsentumoren.

Was ist das besondere des pleomorphen Adenoms?

Feingeweblicher Schnitt durch ein pleomorphes Adenom der Ohrspeicheldrüse. An der mit Pfeilen markierten Oberfläche fehlt die Pseudokapsel
Feingeweblicher Schnitt durch ein pleomorphes Adenom der Ohrspeicheldrüse. An der mit Pfeilen markierten Oberfläche fehlt die Pseudokapsel

Das pleomorphe Adenom ist von allen Speicheldrüsentumoren der häufigste Tumor. Das pleomorphe Adenom ist ein gutartiger Tumor. In den meisten Fällen handelt es sich um einen kugeligen, eher festen platzbegrenzten Tumor. Der Tumor wächst sehr langsam, ist schmerzlos, und fällt deshalb erst bei deutlicher Größenzunahme als Vorwölbung im Bereich der betroffenen Speicheldrüse auf.

In Einzelfällen kann ein gutartiges pleomorphes Adenom auch zu einem bösartigen Tumor entarten. Die wird manchmal beobachtet, wenn der Tumor über viele Jahre weiter gewachsen ist und nicht behandelt wurde. Die Therapie der Wahl ist die Entfernung des Tumors. Hierzu gibt es keine empfehlenswerte Alternative. Wie so häufig bei gutartigen Tumoren spricht auch dieser gutartige Tumor nur sehr schlecht auf eine Bestrahlungsbehandlung an. Daher wird von uns von einer Strahlentherapie abgeraten. Eine empfehlenswerte Chemotherapie zur Behandlung dieses gutartigen Tumors gibt es ebenso nicht.

Ein frühzeitiges Entfernen des Tumors ist im Regelfall zu empfehlen, da mit zunehmendem Tumorwachstum auch die Operationsrisiken steigen und mit zunehmendem Tumorwachstum wahrscheinlich auch die Möglichkeit einer Entartung des Tumors steigt.

Es wurden in einer Forschungskooperation umfangreiche feingewebliche Untersuchungen zusammen mit dem Pathologen Herrn Priv.-Doz. Dr. med. Arnold aus Essen an nicht voroperierten pleomorphen Adenomen der Ohrspeicheldrüse vorgenommen. Wir konnten zeigen, dass dieser Tumor im Gegensatz zur vielfach verbreiteten Meinung nicht von einer echten Kapsel umgeben ist. Das umgebende Bindegewebe wird durch das Tumorwachstum zusammengedrückt und täuscht lediglich eine Kapsel vor. Deshalb spricht man richtigerweise von einer Pseudokapsel. Diese Pseudokapsel ist bei fast allen Tumoren lediglich 20 µm breit (1 µm = 1/1000 Millimeter). Bei der Hälfte der Tumore finden sich Stellen, an denen die Pseudokapsel gar nicht vorhanden ist, und ein Viertel hat fingerförmige Ausläufer an seiner Oberfläche.

Diese Ergebnisse sind für die richtige Behandlung von pleomorphen Adenomen extrem bedeutsam: Das langsame Wachstum und die rundliche Form verleitet bei unzureichender Diagnostik leider immer noch häufig zur Annahme, dass es sich bei dem festgestellten Knoten im Bereich der Ohrspeicheldrüse um eine Lymphknotenvergrößerung handelt. Es wird leider heute unter dieser falschen immer noch häufig versucht, den Tumorknoten isoliert aus der Drüse auszuschälen. Diese Art der Operation nennt man Enukleation. Aufgrund der oben genannten Eigenschaften des pleomorphen Adenoms kann dies fatale Folgen für den Patienten haben: Die hauchdünne Pseudokapsel kann verletzt werden. Dann können Tumorzellen in das umgebene Wundgewebe gelangen und hier unbemerkt verbleiben. Kleine fingerförmige Ausläufer werden übersehen und abgeschnitten; und bleiben somit auch unbemerkt im Wundgebiet. Die unabwendbare Folge ist eine Tumoraussaat und die Ausbildung eines Rezidiv-Tumors. Eine Enukleation als Erstoperation birgt als das hohe Risiko einer unvollständigen Tumorentfernung! Nach Literaturangaben liegt das Rezidivrisiko bei einer einfachen Enukleation zwischen 20 und 40%. Daher ist eine weitaus ausgedehntere Operation unbedingt notwendig. Die Operationstechnik wird weiter unten beschrieben. Bei einer sorgfältigen Operation sinkt das Rezidivrisiko unter 2%.

Feingeweblicher Schnitt durch ein Präparat eines Rezidivs eines pleomorphes Adenom mit vielen Knoten (einige markiert*) im und außerhalb der alten Operationsnarbe

Eigene feingewebliche Untersuchungen wiederum in Zusammenarbeit mit Herrn Priv.-Doz. Dr. med. G. Arnold aus Essen haben ergeben, dass die tatsächliche Anzahl der Rezidiv-Tumorknoten wesentlich höher ist als die Anzahl, die man tastet oder in der Bildgebung (Sonographie oder Kernspintomographie)sieht, da die Mehrzahl der Knoten mikroskopisch klein ist. In 65% der Fälle fanden wir bei der Aufarbeitung von Rezidiv-Tumoren bis zu 50 Knoten! In 15% der Fälle zwischen 50 und 99 Knoten. Und bei 19% der Fälle sogar 100 bis 156 Rezidiv-Knoten eines pleomorphen Adenoms.

Daher wird verständlich, wie schwierig unter Umständen die Operation eines Rezidivs eines pleomorphen Adenoms sein kann. Wenn nicht alle Knoten entfernt werden oder entfernt werden können, so folgen oft mehrere weitere Operationen. Von Operation zu Operation nimmt die Vernarbung zu und die Operationsrisiken steigen. Umso wichtiger ist die sorgfältige Operation bei Erstdiagnose eines pleomorphen Adenoms.

Welche Untersuchungen sind bei V. a. einen Speicheldrüsentumor notwendig?

Ein Tumor der Ohrspeicheldrüse
fällt häufig erst durch die Schwellung
vor dem Ohr auf.
Ein Tumor der Ohrspeicheldrüse fällt häufig erst durch die Schwellung vor dem Ohr auf.

Nach einer sorgfältigen HNO-ärztlichen Untersuchung erfolgt eine genaue Untersuchung des Tumors. Eine Ultraschall-Untersuchung des Halses und der Speicheldrüsen ist dringend zu empfehlen. Um die Herkunft des Tumors abzuklären empfehlen wir eine Feinnadelaspirationszytologie. Hierbei werden aus dem Tumor mit einer sehr feinen Nadel einzelne Tumorzellen aus dem Knoten aspiriert und dann von einem erfahrenen Pathologen untersucht. Durch die Feinnadelaspirationszytologie kann es nicht zu einer Tumorzellverschleppung kommen. Diese Gefahr besteht dagegen bei einer Probebiopsie, so dass diese nur in Einzelfällen, und dann aus ganz besonderen Gründen, vorgenommen wird. Abhängig vom Ergebnis, insbesondere beim Verdacht auf einen bösartigen Tumor wird häufig noch eine weitere Bildgebung, eine Kernspintomographie oder eine Computertomographie, oder beides notwendig. Abhängig von weiteren Symptomen können auch noch andere Untersuchungen notwendig werden. Sollte zum Beispiel bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor gleichzeitig eine Gesichtsnervenlähmung bestehen, so muss diese durch weitere spezielle Untersuchungen auf ihre Schwere hin untersucht werden. Weitere Details zu den Untersuchungen bei bösartigen Tumoren der Speicheldrüsen können nur persönlich mit dem Patienten und seinen Angehörigen besprochen werden.

Wie wird ein gutartiger Speicheldrüsentumor der Ohrspeicheldrüse operiert?

Wie wird ein bösartiger Speicheldrüsentumor der Ohrspeicheldrüse operiert?

Was sind die wichtigsten speziellen Operationsrisiken?

Welche kosmetischen Operationsschritte sind möglich, um den Substanzdefekt nach Entfernung der Ohrspeicheldrüse zu vermeiden?

Aktuelle Fachliteratur aus Jena


Ansprechpartner

Univ.-Prof. Dr. med. Orlando Guntinas-Lichius
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde,
Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

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