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Neurologie / Ärzte & Zuweisende / Neurologische Zentren / Schwindelzentrum
Schwindelzentrum
Kontakt

Bitte beachten Sie, dass sich das Schwindelzentrum nicht in der Bachstraße befindet. Die Adresse lautet:

Am Klinikum 1, 07747 Jena (Lobeda Ost)

Telefon: +49 3641 9-325785
Fax: +49 3641 9-325792
E-Mail: 

Prof. Dr. med. Hubertus Axer
Oberarzt,
Leitung Schwindelzentrum,
Facharzt für Neurologie und Anatomie, Zusatzqualifikation: Notfall- und Rettungsmedizin, Intensivmedizin
hubertus.axer(at)med.uni-jena.de

Was ist Schwindel

Schwindel ist eine (meist unangenehme) Störung der Orientierung im Raum oder die fälschliche Wahrnehmung einer Bewegung des Körpers oder der Umgebung. Schwindel ist häufig verbunden mit Angst und Panik. Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein multisensorisches Symptom, das bei verschiedenen Krankheiten auftritt.

Das menschliche Gleichgewichtssystem stützt sich auf Informationen aus drei Bereichen:

  • Dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr (Bogengänge) mit dem Gleichgewichtsnerv und mehreren im Gehirn liegende Schaltzentren
  • Die Augen
  • Das System der Tiefensensibilität/Propriozeptoren (in Sehnen, Muskeln und Gelenken)

Die Meldungen aus diesen drei Bereichen werden miteinander sowie mit einem durch frühere Bewegungserfahrungen geprägten Erwartungsmuster verglichen.

Falls aber ein Bereich gestört ist oder wenn es Missverständnisse der drei Bereiche untereinander gibt, so entsteht Schwindel. Störungen einer der Bereiche können zum Beispiel Sehstörungen, eine verminderte Empfindlichkeit der Tiefensensibilität, Schädigungen im Innenohr, Entzündungen des Gleichgewichtsnerves, etc. sein. Missverständnisse („Kollisionen“) entstehen zum Beispiel beim Lesen im Auto oder im Fahrstuhl, können aber auch durch stärkere Angstgefühle hervorgerufen werden.

Die Symptome des gestörten Gleichgewichtssystems können neben der Schwindelwahrnehmung auch ein Nystagmus (rhythmische, unkontrollierbare Augenbewegungen), eine Fallneigung oder Übelkeit bis zum Erbrechen sein.

Krankheitsbilder

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist die häufigste vestibuläre Schwindelerkrankung. Die Ursache der Störung liegt in frei beweglichen Partikeln, die in einen Bogengang des Gleichgewichtsorgans gelangt sind und hier zu einer unphysiologischen Reizung führen (sog. Kanalolithiasis). Typische Symptome sind sich wiederholende Drehschwindelattacken, die reproduzierbar durch Kopfbewegungen ausgelöst werden können. Spezifische Lagerungsmanöver führen hier bei etwa 60% der Patienten nach einmaliger Anwendung zu Beschwerdefreiheit und bei 100% der Patienten bei mehrfacher Anwendung. Damit ist der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel die am leichtesten behandelbare Ursache für einen vestibulären Schwindel. Allerdings beträgt die Rezidivrate 50%, davon 80% im ersten Jahr.

Vestibuläre Migräne

Die Migräne gehört zu den häufigsten Ursachen rezidivierender Schwindelattacken (etwa 10% in Spezialambulanzen) mit einer Lebenszeitprävalenz in der Allgemeinbevölkerung von 1%. Der Schwindel ist dabei Teilsymptom der Migräne. Assoziiert zur Schwindelsymptomatik ist hier der Migränekopfschmerz mit Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit und anderen Aura-Symptomen. Die Behandlung entspricht dabei der der Migräne.

Akuter Vestibularisausfall

Beim akuten Vestibularisausfall tritt akut bis subakut Drehschwindel und eine Fallneigung mit Übelkeit und Erbrechen, jedoch ohne Ohrgeräusche oder Hörstörung auf. Der Schwindel hält Tage bis Wochen an und tritt am häufigsten bei Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren auf. Diagnostisch findet man einen Spontannystagmus und eine Mindererregbarkeit des Gleichgewichtsorgans. Die Therapie besteht neben Medikamenten aus einer spezifischen Trainingstherapie (Übung von Wendebewegungungen). Im Verlauf kommt es beim akuten Vestibularisausfall nach 24 Monaten bei nur 40% zu einer vollständigen Erholung. In 20-30% kommt es nur zu einer partiellen Erholung mit bleibendem Defizit und Symptomen wie Schwindel und Gangunsicherheit.

Morbus Meniere

Der Morbus Meniere ist gekennzeichnet durch sich wiederholenden attackenartigen schwersten Drehschwindel zum Teil auch mit Stürzen (drop attacks), der für Minuten bis Stunden anhält. Assoziiert hierzu finden sich immer Ohrsymptome wie Ohrgeräusche, Hörminderung und Druckgefühl auf dem Ohr. Der Beginn des M. Meniere liegt meist zwischen dem 4. und 6. Lebensjahrzehnt. Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel klinisch aufgrund der Krankheitsgeschichte und des Verlaufes. Die Therapie erfolgt medikamentös (Betahistin). Problematisch ist der attackenartige Verlauf. Im weiteren Verlauf kommt es auch zu einem Befall der Gegenseite und zu bleibenden Defiziten des Gleichgewichtssinns und des Hörens.

Bilaterale Vestibulopathie (beidseitige Schädigung des Gleichgewichtsorgans)

Leitsymptome der bilateralen Vestibulopathie sind Sehstörungen (ruckelndes Sehen sog. Oszillopsien) mit Unscharfsehen bei Kopfbewegungen und beim Gehen, Gangunsicherheit, vor allem im Dunkeln und auf unebenem Grund, sowie eine Störung des räumlichen Gedächtnisses. Der beidseitige vestibuläre Funktionsausfall ist selten, wird aber häufig fehldiagnostiziert. Ursachen können für das Gleichgewichtsorgan schädigende Substanzen, M. Meniere, autoimmune Prozesse, u.a. sein. Die physikalische Therapie mit Gang- und Gleichgewichtstraining wird von den Patienten gern angenommen und erleichtert die Anpassung an den Funktionsausfall durch Förderung der visuellen und somatosensorischen Substitution.

‚Psychogene‘ Schwindelformen

Bei den komplexen Schwindelerkrankungen sind ca. 30% den somatoformen Schwindelsyndromen zuzuordnen, ohne dass man eine direkte organische Schädigung nachweisen kann. Hinzu kommt, dass etwa 30% aller Patienten mit peripher-vestibulärem Schwindel in der Folge eine sekundäre somatoforme Schwindelerkrankung entwickeln. Gerade diese Patienten stellen sich bei verschiedenen Ärzten unterschiedlicher Fachrichtung vor, ohne dass eine adäquate Diagnose gestellt wird. 80% der Betroffenen fühlen sich signifikant in Alltags- und Berufsaktivitäten beeinträchtigt und sind zum Teil über Monate arbeitsunfähig. Dabei ist die häufigste Schwindelform im mittleren Alter der phobische Schwankschwindel. Dieser zeichnet sich durch akute Schwindelattacken häufig assoziiert zu typischen Situationen aus (z.B. Brücken, Auto fahren, leere Räume, große Menschenansammlungen, etc.). Auch finden sich Angst und vegetative Missempfindungen. Im Verlauf entsteht eine Generalisierung der Beschwerden mit Vermeidungsverhalten und starker Tendenz zur Chronifizierung. Wichtig ist hier die psychologische Differenzialdiagnostik und der Ausschluss organischer Ursachen. Die Therapierbarkeit nach Diagnosestellung ist in der Regel gut. Zur Therapie gehören insbesondere die Aufklärung der Patienten über die Diagnose, psychotherapeutische und physiotherapeutische Ansätze als auch medikamentöse Therapieansätze.

Zentral-vestibulärer Schwindel

Läsionen des zentralen Nervensystems können zu Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Gangunsicherheit und Augenbewegungsstörungen führen. Sensible Strukturen sind hier insbesondere das Kleinhirn und der Hirnstamm. Der Ort der Schädigung lässt sich hierbei häufig aus der Symptomkonstellation erschließen. Schwindel und Augenbewegungsstörungen sind hierbei häufig auch zu anderen neurologischen Symptomen wie Koordinationsstörungen, Halbseitenlähmung oder Sensibilitätsstörungen assoziiert. Häufige Ursachen solcher Läsionen sind sicherlich vaskulärer Ursache wie der Schlaganfall, aber auch entzündliche oder degenerative Prozesse bedingen häufig Schwindel und Gangunsicherheit.

Gangunsicherheit und Schwindel bei sensibler Deafferenzierung

Auch Störungen der Sensorik führen letztendlich zu Schwindel und Gangunsicherheit (18% bei ambulanten neurologischen Patienten mit Gangstörung). Ursächlich hierfür zeichnen insbesondere die Polyneuropathie, Funikuläre Myelose und die Spinalkanalstenose. Ziel der Behandlung dieser Patienten ist neben der Ursachenforschung und Behandlung der Grunderkrankung die Gangschulung.

Diagnostik & Behandlung

Wie erfolgt die Diagnostik?
Viele Schwindelsyndrome lassen sich bereits durch eine eingehende fachärztliche Erhebung der Krankengeschichte (Art, Dauer, Auslösbarkeit des Schwindels, Begleitsymptome wie Tinnitus, Doppelbilder, Gefühlsstörungen, Kopfschmerzen, u.ä.) und einer neurologischen Untersuchung einordnen.

Wenn nötig erfolgen apparative Zusatzuntersuchungen wie die kalorische Testung der Funktion der Gleichgewichtsorgane, Doppler- und Duplexsonografie der gehirnversorgenden Gefäße, neurophysiologische Messungen wie Videonystagmografie, Kopfimpulstest und andere. Prinzipiell stehen alle diagnostischen Möglichkeiten der Neurologischen Universitätsklinik Jena zur Verfügung.

Auch kann bei Bedarf eine ambulante psychologische Vorstellung erfolgen, insbesondere zur Erhebung der psychologischen Schwindelanamnese (Zusammenhänge mit belastenden Situationen, Verhalten, Gedanken beim Schwindel sowie Befragung zu evtl. schwindelverstärkenden oder -auslösenden weiteren psychischen Faktoren (bspw. psychische und physische Überlastungsfaktoren, Depressivität, Ängstlichkeit).

Wie erfolgt die Behandlung?
Im Rahmen einer ambulanten Vorstellung im Schwindelzentrum lässt sich grundsätzlich eine fachärztliche und / oder psychologische Beurteilung und Beratung realisieren. Auch kann ggfs. je nach Diagnose eine medikamentöse oder physikalische (z.B. Lagerungsübungen) Therapie eingeleitet werden. Darüber hinaus wird evaluiert, ob eine tagesklinische Behandlung / Schwindeltherapiewoche für Ihre Symptomatik in unserem Schwindelzentrum indiziert und geeignet ist.

Die tagesklinische Behandlung in unserem Schwindelzentrum erfolgt intensiv über 5 Tage jeweils von 8 bis 16 Uhr. Die Therapie beruht hier auf einem multimodalen und interdisziplinären Ansatz. Hierbei arbeiten Ärzte, MTA’s, Psychologen, Physiotherapeuten und Entspannungstherapeuten zusammen in einem Team.

Das Ziel der Therapiewoche ist neben der Wissensvermittlung, Sie vor allem darin zu unterstützen, hilfreiche Strategien für den Umgang mit ihren Beschwerden erwerben und im Alltag anwenden zu können.

Im Folgenden werden die wichtigsten Behandlungsschwerpunkte vorgestellt:

Wissensvermittlung

  • Ärztliche Schulung und Einzelgespräch zur Entstehung von Schwindel- und Gleichgewichtsempfindungen sowie zur Informationsverarbeitung im Nervensystem
  • In der verhaltenstherapeutisch orientierten Schulung wird vermittelt, wie und warum gedankliche, emotionale, körperliche und weitere Faktoren wie z.B. Vermeidungsverhalten, das Schwindelgeschehen aufrechterhalten, verstärken und teilweise auslösen können

Physiotherapeutisches Schwindeltraining / Bewegungstherapie

  • Ein physiotherapeutisches Training / Bewegungstherapie sind elementare Bestandteile einer erfolgreichen Behandlung von Schwindel und anderen Beschwerden:
  • Gleichgewichtsübungen, Blickrichtungsübungen
  • Gang- und Standtraining
  • Gezieltes Muskeltraining (u.a. Hals- und Nackenmuskulatur, Rückenmuskulatur)

Entspannungstherapie

  • Ein wichtiger Gegenspieler der körperlichen Aktivitäten / des Trainings ist eine gute und regelmäßige Entspannungsfähigkeit
  • Hierfür werden verschiedene Entspannungsmethoden (u. a. Autogeneses Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jakobson, Tai Chi) angeleitet und durchgeführt

Verhaltenstherapeutische Strategien

  • In den Gruppengesprächen werden v. a. Faktoren, die das Schwindelgeschehen ungünstig aufrechterhalten und verstärken (z. B. Aufmerksamkeitslenkung, Stress- und Symptomverarbeitung, Sicherheits- und Vermeidungsverhalten) bearbeitet und das Erlernen von Bewältigungsstrategien im Umgang mit dem Schwindel, wie bspw. das Einüben positiver Gedanken („Ich bleibe ganz ruhig und konzentriere mich auf meine Atmung“) vermittelt.
  • Erarbeitung individueller Verarbeitungsstrategien
  • Vertiefung individueller Themen sowie weiterführende Empfehlungen im Rahmen eines psychologischen Einzelgespräches

Der Großteil der therapeutischen Behandlungen erfolgt in einer Gruppe (ca. 6 bis 8 Teilnehmer*innen).

Termine Schwindeltherapiewochen

2026

04. - 08.05.
18. - 22.05.

08. - 12.06.
22. - 26.06.

06. - 10.07.
20. - 24.07.

17. - 21.08.
31. - 04.09.

14. - 18.09.
28. - 02.10.

12. - 16.10.
26. - 30.10.

09. - 13.11.
23. - 27.11.

07. - 11.12.

Downloads

Flyer Schwindelzentrum

Flyer Schwindeltherapiewoche

Tagebuch

Veranstaltungen & Aktivitäten

22.03.2023 -Fortbildung Neurologie "Schwindel" - Hörsaal 1 am UKJ

Programm
17.00 Uhr: Funktioneller Schwindel und Gangstörungen, Prof. Doreen Huppert, München
17.30 Uhr: Schwindel aus Sicht der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin, PD Dr. Norman Best, Weimar
18.00 Uhr: Imbiss und Austausch mit den Firmenvertretern vor Ort
18.30 Uhr: Multimodale Schwindeltherapie – 10 Jahre Schwindelzentrum Jena, Prof. Hubertus Axer, Jena
19.00 Uhr: Ende der Veranstaltung

Weitere Informationen: www.uniklinikum-jena.de/neuro/Veranstaltungen/Fortbildung+Schwindel-pos-0.html

 

23.03.2023 - Tag der offenen Tür im Schwindelzentrum Jena
Weitere Informationen folgen in Kürze

 

Kooperationen

  Kooperationspartner   In Zusammenarbeit mit: HNO-Klinik, Prof. Dr. med. O. Guntinas-Lichius
Institut für Physiotherapie, PD Dr. med. habil. Christina Lemhöfer

Schwindel ist eines der häufigsten Leitsymptome in der ärztlichen Praxis. Jeder fünfte Erwachsene leidet an Schwindel. Das Symptom Schwindel tritt häufiger bei Frauen als bei Männern (Verhältnis von 1,7:1) auf und betrifft alle Altersgruppen. Die meisten Schwindelerkrankungen können durch interdisziplinär ausgebildete Ärzte zuverlässig diagnostiziert und erfolgreich behandelt werden. Betroffene mit dem Symptom Schwindel konsultieren in der Regel nacheinander Ärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen.

Dies führt zu unnötiger apparativer Diagnostik, Doppeluntersuchungen, Fehldiagnosen und mangelhafter bzw. unwirksamer Therapie. Hieraus resultieren häufig lange Phasen von Arbeits-, Erwerbs- und Berufsunfähigkeit. Darüber hinaus fehlen für viele Patienten mit chronischem Schwindel adäquate Therapieangebote. Das Schwindelzentrum Jena bietet eine interdisziplinär-fachübergreifende ambulante und teilstationäre Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Schwinde

Das Schwindelzentrum Uniklinik Jena kooperiert im Rahmen der integrierten Gesundheitsversorgung mit der AOK plus.

Team

Von links nach rechts: Monique Benkenstein Sport- und Bewegungstherapeutin, Andreas Biedermann Physiotherapeut,
Dr. med. Sigrid Finn FÄ für Neurologie, Prof. Dr. med. Hubertus Axer Oberarzt und Leiter des Schwindelzentrums,
Jeannette Heßelbarth MFA, Sandra Hänsch Psychologin M. Sc.

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