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Startseite / Aktuelles / News / Erstimplantation eines neuen Elektrodensystems für die Tiefe Hirnstimulation

28.08.2026

Erstimplantation eines neuen Elektrodensystems für die Tiefe Hirnstimulation

UKJ-Neurochirurgen implantieren erstmals erfolgreich ein neues Elektrodensystem für die Tiefe Hirnstimulation

In der Klinik für Neurochirurgie im Universitätsklinikum Jena wurde erstmals ein neuartiges Elektrodensystem mit 16 Kontakten für die Tiefe Hirnstimulation (THS) erfolgreich implantiert. Das neue System ermöglicht eine noch präzisere und individuellere Therapie bei der Behandlung fortgeschrittener Bewegungsstörungen.

Prof. Dr. med. Falko Schwarz und Melissa Pabst haben die neuen 16-Kontakt-Elektroden erfolgreich bei einem Patienten mit Parkinson-Krankheit implantiert. Das Elektrodensystem gehört zu einer neuen Generation direktionaler Elektroden und wird mit einem modernen Hirnschrittmacher kombiniert.

Das eingesetzte THS-System dient dazu, die Symptome von Bewegungsstörungen zu lindern, indem milde elektrische Impulse an bestimmte Regionen des Gehirns abgegeben werden. Durch die Verdoppelung der Anzahl der Elektrodenkontakte im Vergleich zu früheren THS-Systemen kann die Stimulation besonders präzise gesteuert und stärker an die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen angepasst werden.

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Bewegungsstörung, die durch eine Fehlfunktion von Nervenzellen im motorischen Zentrum des Gehirns entsteht. Dies kann zu verlangsamten Bewegungen, Zittern, Muskelsteifheit sowie Einschränkungen von Gleichgewicht und Koordination führen. Mit fortschreitender Erkrankung können die Symptome die selbstständige Bewältigung des Alltags zunehmend beeinträchtigen. Aktuell leben mehr als 1,2 Millionen Menschen in Europa mit Parkinson; bis zum Jahr 2030 wird mit einem deutlichen weiteren Anstieg gerechnet.

Eine Behandlungsmöglichkeit für die fortgeschrittene Parkinson-Krankheit ist die Tiefe Hirnstimulation. Dabei werden zwei Elektroden im Gehirn der Patient:innen platziert. Ziel ist es, bestimmte Hirnareale, die an der Steuerung von Bewegungen beteiligt sind, dauerhaft elektrisch zu stimulieren und dadurch die Beschwerden zu lindern.

Die Elektroden sind mit einem Gerät verbunden, das in Größe und Form einem Herzschrittmacher ähnelt und als Hirnschrittmacher bezeichnet wird. Dieser wird in der Regel unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut implantiert. Über feine Kabel, die ebenfalls unter der Haut verlaufen, ist er mit den Elektroden im Gehirn verbunden. Die präzise und personalisierte Stimulation kann dazu beitragen, Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit und verlangsamte Bewegungen zu reduzieren.

Einsatz bei weiteren Bewegungsstörungen

Das neue Elektrodensystem kann auch bei Patient:innen mit essentiellem Tremor und Dystonie eingesetzt werden.

Dystonie

Dystonie ist eine häufige Bewegungsstörung, die durch anhaltende Muskelkontraktionen gekennzeichnet ist. Dadurch können wiederholende, unwillkürliche Bewegungen oder verdrehte Körperhaltungen entstehen, die teilweise sehr schmerzhaft sein können. Die Erkrankung kann einen begrenzten Bereich des Körpers betreffen oder sich auf mehrere Muskelgruppen ausweiten.

Eine Behandlungsmöglichkeit für Dystonie ist die Tiefe Hirnstimulation. Dabei werden zwei Elektroden im Gehirn platziert, um bestimmte Hirnareale dauerhaft elektrisch zu stimulieren. Die Elektroden sind über feine, unter der Haut verlaufende Kabel mit einem unterhalb des Schlüsselbeins implantierten Hirnschrittmacher verbunden. Die gezielte und personalisierte Stimulation kann die motorische Funktion verbessern und unwillkürliche Muskelkontraktionen deutlich reduzieren.

Essenzieller Tremor

Der essenzielle Tremor ist eine Bewegungsstörung, die durch unkontrollierbares Zittern gekennzeichnet ist. Betroffen sein können unterschiedliche Körperregionen, häufig insbesondere Kopf, Kehlkopf, Zunge, Kinn, Arme und Hände. Der essenzielle Tremor gehört zu den häufigsten Bewegungsstörungen im Erwachsenenalter und betrifft fast zwei Prozent der europäischen Bevölkerung.

Auch hier stellt die Tiefe Hirnstimulation eine Behandlungsmöglichkeit dar. Zwei Elektroden werden im Gehirn platziert und stimulieren gezielt bestimmte Hirnareale, die an der Steuerung von Bewegungen beteiligt sind. Über einen implantierten Hirnschrittmacher werden elektrische Impulse an die Elektroden weitergeleitet. Die gezielte und personalisierte Stimulation kann die motorische Funktion verbessern und das Zittern deutlich reduzieren.

„Mit dem neuen Elektrodensystem ist es möglich, die Patient:innen noch besser zu behandeln, da verschiedene Areale gleichzeitig therapiert werden können. Dies war mit dem Vorgängermodell sowie mit vielen anderen auf dem Markt befindlichen Systemen nicht möglich“, sagte Prof. Schwarz.

Das neue Elektrodensystem bietet eine deutlich größere direktionale Spannweite als viele bislang verfügbare Elektroden. Dadurch kann die Stimulation gezielter auf die relevanten Hirnregionen ausgerichtet werden. Dies kann dazu beitragen, eine effektive Linderung der Symptome zu erreichen und gleichzeitig unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Die zusätzlichen direktionalen Kontakte und die engere Anordnung der Kontakte ermöglichen eine bessere Abdeckung des Stimulationsbereichs sowie zusätzliche Möglichkeiten bei der individuellen Einstellung der Therapie.

Die Programmierung und Anpassung der Elektroden erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Team der Neurologie, insbesondere mit PD Dr. Stefan Brodoehl und Eric Winter.

Weitere Informationen zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Bewegungsstörungen sowie zur Kontaktaufnahme mit dem Expert:innen-Team finden Sie beim Zentrum für Tiefe Hirnstimulation (THS).

Zentrum für Tiefe Hirnstimulation (THS)

Kontakt

apl. Prof. Dr. med. Falko Schwarz, FEBNS, MBA

Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am UKJ

Am Klinikum 1

07747 Jena 

Tel.: 03641 9 32 30 11

E-Mail:

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