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Klinik für Neuropädiatrie - Startseite / Ganglabor

Ganglabor

Seit dem Jahr 2002 analysieren wir die Gangbilder unserer kleinen Patienten. Die aufwendigen Untersuchungen (Aufklärungsgespräch, Anlegen der Messapparatur, Messung) erfolgen im Rahmen eines 1-2 stündigen Kurzaufenthaltes.

Unser hochmodernes Biomechanik-Labor ermöglicht es, mit wissenschaftlicher Genauigkeit Bewegungen von Patienten zu beschreiben.

Die Ganganalyse wird zur Diagnostik und zur Dokumentation von Veränderungen des Gehens eingesetzt. So ist es möglich, Auswirkungen von Operationen und anderen Therapien (z.B. BTX, Therapiegipsen, Heil- und Hilfsmittelverordnungen) zu untersuchen.

 

Klinikmagazin 03/16 - Juni 2016:  "Muskulatur wie Landkarte vermessen" (PDF)

Patienteninformation

 Was ist eine Ganganalyse?           

Das Ganganalyselabor der Universitätskinderklinik Jena, Klinik für Neuropädiatrie bietet die Möglichkeit, durch das Aufzeichnen via Infrarotkameras (Vicon , Oxfort Metrics , 10 Vicon Vero v2.2 , 200Hz), Hochgeschwindigkeitskameras (Vicon Vue, 50Hz), Kraftmessplatten (2 AMTI OR6), und Oberflächenelektromyographie (EMG – Myon 320, 16 Kanal, 1000Hz) nicht sichtbare Funktionen (u.a. Gelenkdrehmomente) im Gang zu erfassen und graphisch (Vicon Nexus, Vicon Polygon, Vicon ProCalc und Vicon Bodybuilder) darzustellen.

Zahlreiche Studien belegen die Bedeutung der instrumentellen Bewegungsanalyse zur Optimierung der Diagnostik und damit der Therapie.

Wozu Ganganalyse?            

Subjektive Ganganalysen stellen eine Standarduntersuchung im klinischen Routinebetrieb dar und werden meist von Ärzten und Krankengymnasten durch einfache Beobachtung eines Patienten durchgeführt. Durch das schon beschriebene Verfahren der Instrumentellen Ganganalyse ist es darüber hinaus möglich, die Bewegungen eines Patienten in Zahlen zu fassen und sie somit exakt zu beschreiben. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt vor allem in der Erfassung nicht sichtbarer Funktionen (z.B. Muskelkontraktion, Muskelkoordination, etc.) sowie in der exakten Dokumentation des Ganges, die vor allem zur Beurteilung von Therapieeffekten immer wichtiger wird.

Ablauf einer Ganganalyse

Nach einer kurzen klinischen Untersuchung wird von dem Patienten eine Videoaufnahme angefertigt, während er mehrfach eine 8-13 m lange Gehstrecke bewältigt. Im Anschluss daran werden am Körper mehrere reflektierende Markierungen mit einem Klebeband und selbstklebende Oberflächenelektroden zur Durchführung des Elektromyogrammes auf der Haut, oberhalb bestimmter Muskelgruppen befestigt angebracht.

Damit muss der Patient mehrfach im Labor auf und ab gehen, während (zeitgleich) Video-aufzeichnungen durchgeführt werden. Während des Gehens werden nun die Muskelaktionspotentiale der zu untersuchenden Muskeln (Kniestrecker, Kniebeuger, Waden-muskulatur, Fussheber, etc.) aufgezeichnet. Nicht bei jedem Patienten muss die Ganganalyse mit der gesamten Methodik durchgeführt werden (z.B. Autismus). In Ausnahmefällen geben schon Teiluntersuchungen Antwort auf noch bestehende Fragen.

 

Belastungen durch eine Ganganalyse?

Die einzige Belastung, die durch die Ganganalyse entsteht ist die körperliche Belastung des Gehens. In wenigen Fällen wurden Hautrötungen durch das verwendete Klebeband beobachtet. Für die Dauer einer kompletten Ganganalyse sollten mindestens 90 Minuten einkalkuliert werden.

Ganganalyse und Datenschutz?

Alle, im Rahmen der Untersuchung anfallenden persönlichen Daten werden unter Beachtung der gültigen Vorschriften des Datenschutzes vertraulich behandelt. Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen werden den Patienten in mündlicher Form (über den zuständigen Arzt) mitgeteilt.

Sollten Sie noch weitere Fragen zum Ablauf oder zur Methodik einer Ganganalyse haben, so werden Ihnen diese von dem Mitarbeiter des Ganganalyselabors oder von Ihrem betreuenden Arzt unserer Klinik gerne beantwortet.

Informationen zur klinischen instrumentellen Ganganalyse

Folgende Untersuchungsmethoden werden im Funktionsbereich Bewegungsanalytik zur Unterstützung der klinischen Diagnostik angewandt:

 3-dimensionale Bewegungsanalyse 

Die Bewegungsanalyse erlaubt eine komplexe Darstellung des sich bewegenden Menschen im Raum. Mit einer speziellen Anordnung wird der Patient gefilmt, wobei nur die auf speziellen Körperpunkten befestigten reflektierenden Marker von den Meßaufnehmern gesehen werden. Aus dieser Information können die Raumkoordinaten der Gelenkpunkte berechnet werden.

Mit Hilfe von Auswerte-Algorithmen können aus den sich räumlich und zeitlich verändernden Gelenkpunkten die Bewegungen in den Gelenken der unteren Extremität - Hüfte, Knie und Sprunggelenk - sowie des Oberkörpers in Frontal-, Sagittal- und Transversalebene berechnet werden.

Die Patienten werden mit den Reflexmarkern an Beinen beklebt. Nach einer kurzen "Warmlaufphase" werden die Messungen gestartet, bis genügend fehlerfreie Messungen aufgezeichnet werden konnten.

Unter Elektromyographie (EMG) versteht man das Aufzeichnen und Darstellen der elektrischen Aktivität der Skelettmuskulatur. Bei einer Muskelkontraktion findet im Muskel ein Austausch von Ionen statt, es fließt also ein bioelektrischer Strom. Man kann die dabei entstehenden Potentialdifferenzen mit Hilfe von Elektroden am Muskelbauch darstellen, was in der Regel für neurologische Fragestellungen notwendig ist. Mit entsprechenden selbstklebenden Elektroden und Verstärkern kann man diese Signale ähnlich wie das EKG (Herzströme) oder EEG (Hirnströme) durch die Haut ableiten. Diese Technik wird Oberflächen-Elektromyographie (surface EMG = SEMG) genannt.

Zur Vorbereitung der Untersuchung der Muskelaktivität im Bereich der Extremitäten werden die Ableitstellen über den zu untersuchenden Muskeln markiert. Die Haut kann mit einer Schmirgelpaste aufgerauht und mit Alkohol gereinigt werden, um dadurch eine Reduzierung des Hautwiderstandes mit möglichst guten Ableitbedingungen zu erhalten. Die mit Kontaktgel gefüllten Elektroden werden aufgeklebt und per Funkan den Hauptrechner zeitgenau gesendet. Es können bis zu 16 Muskeln bzw. 8 Muskelpaare abgeleitet werden.

Zunächst werden die Muskelaktivitätsmuster beim Gehen aufgezeichnet und im Computer gespeichert. Aus den Signalen von mindestens 10 Schrittzyklen werden durch entsprechende Verarbeitungsroutinen gemittelte Aktivitätsmuster bestimmt, die sowohl im Vergleich zu normalen EMG-Aktivitäten aus der Literatur als auch im Links-Rechts-Vergleich bzw. im Vergleich zwischen betroffener und nicht betroffener Seite beurteilt werden können. Ferner können durch Wiederholungsmessungen eventuelle Veränderungen der Muskelaktivitätsmuster festgehalten werden, die sich durch die Behandlung oder den Krankheits- bzw. Gesundungsverlauf ergeben haben.

Die Zielsetzungen stimmen mit vielen Ganglabors in Europa und den USA überein. In der Angewandten Ganganalyse war und ist es, die Methoden der biomechanischen Ganganalyse so zu adaptieren, dass sie dem Patienten, dem Arzt oder Therapeuten unmittelbar zugute kommen. Anwendungen der Ganganalyse sollten daher folgende Kriterien erfüllen (hier schließen wir uns der allgemeinen Meinung der anderen Labore an):

  • Patientenfreundlich - schnell: sie dürfen nur wenige Minuten dauern
  • Patientenvergleichbar - standardisiert: Messungen müssen immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Wird ein Patient auch nach Jahren noch einmal erfasst, müssen die Daten für Langzeitstudien vergleichbar sein.
  • Mitarbeiterunabhängig - benutzerfreundlich: die Messungen müssen mit hoher Betriebssicherheit und ohne großen Aufwand für Patient und betreuenden Therapeuten durchzuführen sein.
  • Mitarbeiterfreundlich - leicht erlernbar: Der Einschulungsaufwand in Bedienung der Messgeräte und Interpretation der Egebnisse soll gering sein (der praktische Nutzen für den Patienten sollte im Vordergrund stehen). An der Basis steht "noch" die Grundlagenforschung. In Zukunft wird sich vielleicht die "Feedbackmethode" durchsetzen. Mit Hilfe der Bewegungsbefunde können Arzt und Therapeut den Therapieerfolg objektivieren, reliabel und valide anwenden und verschiedene Versorgungen kontrollieren (Therapiefrequenz der Heilmittelverordnungen, Hilfsmittelversorgungen?, Typenauswahl etc.). Ziel der Forschung ist stets die praktische Nutzung der Ergebnisse für den Patienten. Alle derzeit in der Routine eingesetzten Anwendungen wurden vorerst als Forschungsprojekte bearbeitet, die wesentlichen Ergebnisse in weiterer Folge für den Routinebetrieb adaptiert.   

Die Basis für dieses Vorhaben sind Grundlagenforschung, sowie die Entwicklung von Bewegungsbefunden. Sämtliche Messaufgaben, diese reichen von der Gelenkwinkelmessung bis zur Erfassung von EMG-Signalen, werden von einem einzigen Computersystem durchgeführt. Die Messdaten werden in einer Bewegungsdatenbank (Intranet) abgelegt. Dies ermöglicht Datenkontinuität über verschiedene Rechner und Betriebssystemversionen hinweg und darüber hinaus die zukunftsweisende Integration der Angewandten Ganganalyse in ein hauseigenes Datenbanksystem.

In der Biomechanik werden zur Quantifizierung von Bewegungsabläufen im wesentlichen drei Typen von Messinstrumenten eingesetzt:

  • kinematische: messen den Bewegungsablauf des Körpers oder von Körperteilen im Raum.
  • kinetische: messen Kräfte, meist an den Systemgrenzen zwischen Körper und Umwelt
  • elektromyographische: messen die elektrischen Potentiale während der Muskelkontraktion

Alle Messinstrumente werden von einem einzigen Computersystem gesteuert und synchronisiert. A/D-Wandler- und Bilddigitalisierungskarten bereiten die Messsignale, Video- und elektromyographische Daten für die Speicherung in einer Datenbank vor. Aus diesem Datenbestand werden die verschiedenen Befunde generiert. Zukunftsweisend können mit Hilfe von Visualisierungsmodulen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfasste Bewegungen direkt miteinander verglichen werden. Der Computer stellt auch in Realzeit die Messergebnisse für die Feedback Methoden zur Verfügung

Derzeit werden folgende Anwendungen in der Routine durchgeführt:     

    • Bewegungsbefunde für die Krankengeschichte, Kontrolle des Therapieverlaufes, Kontrolle therapeutischer und orthopädisch - neurologisch - traumatologischer Maßnahmen.
    • Gangphasenbefund: automatische Aufzeichnung (Momentaufnahmen) von charakteristischen Phasen während des Gangzyklus.
    • Stand-  und Schwungphasenbefund: Erfassen von Kinematik Parameter in der Stand- & Schwungbeinphase.
    • Gangsymmetrie: Darstellung der Symmetrie beim Gehen.
    • Orthesenstatik: mit Hilfe des Videovektors kann der Lotaufbau der Orthese überprüft werden.
    • EMG- Analyse darzustellender Muskelketten 

Projekte und Veröffentlichungen

  • Therapie-, Entwicklungskontrolle bei der Infantilen Cerebral Parese (ICP); neurologische Grunderkrankungen:  Neuropathien, Ataxie; Hämophilie; Muskelerkrankungen
  • Gangmusterbestimmung, Aktivierungsmusterbestimmung großer Muskelgruppen

in Zusammenarbeit mit:

  • ansässigen Kinderorthopäden (u.a. im Waldklinikum Eisenberg "Rudolf Elle") 
  • ansässigen Orthopädiefirmen

 

  • unterstützende physiotherapeutische Interventionen
  • Hilfsmittelanalyse bei neurologischen Grunderkrankungen (Lokomotionsanalyse mit Rollatoren, Orthesen, Einlagen etc.)

 

Klinikmagazin 03/16 - Juni 2016:  "Muskulatur wie Landkarte vermessen" (PDF)

 

Veröffentlichungen:

Betreuung von Seminarfacharbeiten 2017 - 2018

  • Ausgewählte Kinematikbetrachtungen bei elektrischen Fußhebersystemen

Betreuung von Doktoranden 2018

  • Bewegungsanalyse von ausgewählten primitiven Reflexen

Fachbeiträge 2008

Die Ganganalyse im multimodalen Behandlungskonzept von Kindern mit Infantiler Zerebralparese (Eger, Angelika; Geisendorf, Steffen; Bretschneider, Christa; Brandl, Ulrich: Ärztebl. Thüringen, 19 (6), 337 - 344, 2008)

Zusammenfassung:

Seit über 15 Jahren wird Botulinumtoxin (BoNT) in der Therapie der Infantilen Zerebralparese (CP) und bei der posttraumatischen Zerebralparese bei Kindern in Europa und den USA angewandt. In Deutschland wird es inzwischen in vielen Sozialpädiatrischen Zentren, Rehabilitationskliniken und einzelnen Spezialpraxen verwendet, doch erfolgte bisher die Anwendung nicht überall nach den gleichen Standards. Im Oktober 2006 wurde das Europäische Konsensuspapier zur Behandlung mit Botulinumtoxin (BoNT) von Kindern mit Infantiler Zerebralparese verabschiedet.

 

Vorträge/ Weiterbildungen

2008

  • Die Ganganalyse in Diagnostik und Therapie bei Kindern mit Infantiler Cerebralparese (Dr. A. Eger und St. Geisendorf, Sportwissenschaftler, SPZ)

2007

  • Ganganalyse (allgemein) mit Pat. Fallbeispiel (St. Geisendorf, Sportwissenschaftler, SPZ)
  • Aktuelles Konzept der Behandlung von Kindern mit Infantiler Cerebralparese (ICP) mit Botulinumtoxin (BTX)

Inhalte: 

Indikationen und Konzept für BTX-Behandlungen bei Kindern mit ICP (Dr. A. Eger, SPZ)

Gross Motor Function Measure and Classification System (Ch. Bretschneider, Physiotherapeutin, SPZ)

Ganganalyse: Klassifikation der ICP und Management der BTX-Therapie (S. Geisendorf, Sportwissenschaftler, SPZ)

Orthopädische Diagnostik & Redressionsgips- Therapien (Dr. A. Sachse, Kinderorthopäde Eisenberg)

Behandlung bei Hypersalivation (Dr. C. Wittekind, HNO)

2006

  • Klassifikation und komplexe Behandlung der Cerebralparesen (Dr. Stephan Eichholz und St. Geisendorf, Sportwissenschaftler, SPZ)
Dipl. Sportwissenschaftler Steffen Geisendorf
Klinik für Neuropädiatrie,
Sportwissenschaftler,
Ganglabor SPZ
Steffen.Geisendorf@med.uni-jena.de
Telefon: 03641 - 9 329 672

 

Mitglied in den Klinische Ganganalysen - Gesellschaften:

 

  • ESMAC: Member number: ESMAC-00102 http://esmac.org/

 

  • GAMMA - Gesellschaft für die Analyse Menschlicher Motorik und ihrer klinischen Anwendung (Verbundsystem von 18 Laboren in Deutschland, Stand 2017)
  • http://www.g-a-m-m-a.org/index.php/bewegunganalyseslabore-dach-region/Eintrag/Ansicht/93-uniklinikum-jena
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