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Anatomische Sammlung / Ausstellung besuchen / Ausstellungstexte / Anatomische Techniken

Anatomische Techniken | Beispiel Hand


Präparate

Als Präparat wird organisches Material bezeichnet, das mittels spezieller Verfahren vor Verwesung bewahrt und haltbar gemacht wird. Dafür gibt es verschiedene physikalische und chemische Methoden. Es gibt trockene und feuchte Präparate. Präparate werden für Lehr-, Übungs- und Forschungszwecke hergestellt.

Ein Trockenpräparat entsteht durch den Entzug von Wasser, also durch Trocknung. Ohne Wasser kann keine Verwesung stattfinden. Eine der ältesten Methoden ist die Mumifizierung. Beim Trocknen schrumpfen die Körperteile je nach Wassergehalt und verändern ihre Farbe.

Beispiel: Trockenpräparat der Gelenkkapseln, 19. Jh. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. BAP 032 (Foto: Hannah Bayer)

Organisches Gewebe kann durch Einweichen in Wasser und durch den Einsatz von Enzymen oder chemischen Stoffen aufgelöst werden. Dieses Verfahren, die Mazeration, kommt vor allem bei der Herstellung von Knochenpräparaten (osteologischen Präparaten) zum Einsatz.

Beispiel: Marzeriertes Knochenpräparat, jugendlich, 1908. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. O-P 099 (Foto: Christoph Redies)

Für ein Feucht- oder Nasspräparat wird das organische Material in eine konservierende Flüssigkeit eingelegt. Dafür werden hauptsächlich Lösungen auf der Basis von Alkohol oder Formalin verwendet, die die Eiweiße im Gewebe vernetzen ("fixieren"). Dadurch verliert das Präparat auch seine ursprüngliche Färbung und härtet. In einem durchsichtigen, gut verschlossenen Gefäß kann es von allen Seiten betrachtet werden. Nasspräparate werden seit dem 18. Jahrhundert hergestellt.

Beispiel: Feuchtpräparat der Handfläche, 2021. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. BAP 060 (Foto: Hannah Bayer)

Seit 1977 können Präparate durch das Verfahren der Plastination hergestellt werden. Diese Technik wurde von dem Anatomen Gunther von Hagens entwickelt, der 1965 – 1968 in Jena Medizin studierte. Die dabei entstehenden Plastinate sind extrem langlebig, unempfindlich, geruchsfrei und lebensecht. Eine (naturnahe) Farbigkeit muss aber künstlich hergestellt werden.

Die Plastination umfasst vier Schritte:

  • Gefrieraustausch: Mit Formaldehyd fixierte Organe oder Körperteile werden in ein Aceton-Bad gelegt. Bei -25°C wird das Wasser im Gewebe vollständig durch Aceton ersetzt.
  • Entfettung: Die Gewebefette werden bei Zimmertemperatur ebenfalls durch Aceton ersetzt.
  • Plastinierung: Das Präparat wird in eine Kunststofflösung gelegt und starkem Unterdruck ausgesetzt. Das Aceton perlt dabei aus dem Gewebe aus und Kunststoff wird in das Gewebe „gesaugt“, bis es vollständig getränkt ist.
  • Härtung: Das Präparat kann nun in die richtige Stellung gebracht und anschließend ausgehärtet werden. Die Härtung erfolgt mittels Wärme, UV-Strahlung oder speziellen Gasen.

Beispiel: Plastinierte Hand, 2007. Institut für Anatomie Jena, Inv.Nr. LBP 002 (Foto: Christoph Redies)

Zur Herstellung eines Scheibenplastinats werden die Präparate abschließend oder bereits direkt nach der Fixierung in dünne Scheiben gesägt. Diese werden meist in transparenten Kunststoff eingebettet. Anschließend kann das Scheibenplastinat eingescannt und durch einen gedruckten Foto-Film ersetzt werden (sog. "Anatomie-Glas" ohne menschliches Gewebe).

Anatomische Hohlräume, beispielweise Blutgefäße oder Atemwege, können durch das Einspritzen (Injizieren) einer Flüssigkeit oder einer aushärtenden Masse anschaulich dargestellt werden. Früher wurden für solche Injektionspräparate vor allem farbige Tuschen, Kitt- und Wachsmassen oder Quecksilber verwendet, seit der Mitte des 20. Jahrhunderts sind es meist Kunststoffe.

Beispiel: Injektionspräparat der Nerven und Gefäße, 19. Jh. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. BtP 038 (Foto: Hannah Bayer)

Ist die Masse in einem Injektionspräparat ausgehärtet, kann es zu einem Korrosionspräparat weiterverarbeitet werden. Dafür wird es in Kalilauge gelegt, die alle organischen Bestandteile abträgt (Korrosion). Das Ergebnis ist ein negativer Ausguss des ursprünglichen Hohlraums aus nicht-organischem Material.

Beispiel: Korrosionspräparat der Gefäße, Dr. Lange, 1871. Schenkung Stiftung Sophienhaus Weimar. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. BtP 058 (Foto: Hannah Bayer)

Abgüsse und Moulagen

Ein anatomischer Abguss ist eine Abformung eines lebenden oder toten Körpers oder Körperteils. Es sind zwei Herstellungsschritte nötig: Zuerst wird Gips, Silikon oder eine andere leicht formbare Masse, die in kurzer Zeit aushärtet, auf den Körper aufgebracht. So entsteht ein negativer Abdruck, der als Form dient. In diese Form wird dann wiederum ein aushärtendes Material gegossen, beispielsweise Gips oder Wachs. Der so entstehende Abguss zeigt alle individuellen Einzelheiten des abgeformten Körpers in Lebensgröße. Er kann nachbearbeitet und farbig gestaltet werden. Abgüsse können preiswert in mehreren Kopien hergestellt werden und lassen sich problemlos aufbewahren.

Eine besondere Form der Abgüsse sind Moulagen, die ungefähr zwischen 1850 und 1950 hergestellt wurden. Es handelt sich um Wachsabgüsse, die besondere Krankheitsbilder veranschaulichen. Sie wurden von speziell ausgebildeten Personen in rascher Arbeit und mit großem handwerklichen Geschick direkt am Patienten bemalt und gestaltet. So konnten Krankheitsbilder erstmals naturgetreu – also farbig, dreidimensional und lebensgroß – festgehalten werden.

Beispiel (oben): Lebendabguss aus Gips, wahrsch. 1. Hälfte 20. Jh. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. BAM 013-1 (Foto: Christoph Redies)

Beispiel (mitte): Totabguss aus Gips, Franz Josef Steger, um 1875. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. BAM 012 (Foto: Hannah Bayer)

Beispiel (unten): Moulage einer "Nickelkrätze", Deutsches Hygiene-Museum Dresden, 1920er Jahre. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. UeM 010-4 (Foto: Hannah Bayer)


Modelle und Abbildungen

Besonders im Unterricht wurden und werden häufig anatomische Modelle genutzt. Sie stellen den Körper, seine Teile und Strukturen oder deren Funktionsweise schematisch dar. Modelle sollen dem grundsätzlichen Erklären und Verstehen dienen und bilden die Wirklichkeit deshalb vereinfacht und verallgemeinert ab. Ein besonderer Vorteil ist ihre mögliche Vielfalt: Sie können naturnah oder abstrakt, auch beweglich und zerlegbar oder in einem anderen Maßstab und auffälligen Farben gestaltet sein. Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurden anatomische Modelle aus Holz, Wachs, Pappmaché oder Metall in Serie hergestellt; heute bestehen sie meistens aus eingefärbten Kunststoffen.

Beispiel: Pappmaché-Modell der Muskeln und Sehnenscheiden, Dr. Benninghoven & Sommer, um 1898. Anatomische Sammlung Jena, Inv.Nr. BAM 005 (Foto: Hannah Bayer)

Mit dem Beginn der modernen Anatomie im 16. Jh. verbreiteten sich anatomische Zeichnungen und Drucke. In ihnen wurde anatomisches Wissen für ein breites (Fach-)Publikum festgehalten und veranschaulicht. Die Qualität hing dabei vom Geschick der beauftragten Künstler und Kupferstecher ab. Anschauliche Abbildungen haben bis heute eine große Bedeutung und werden von Anatomiezeichnern nach Bedarf angefertigt.

Beispiel: Moderne Darstellung, Jens Geiling, 2021. Institut für Anatomie Jena.

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