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Curriculare Weiterbildung für die Fallarbeit in mit ehemals Verfolgten befassten Professionen – Strukturaufbau

Ansprechpartner

  • Herr Adrian Gallistl , Institut für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie, Universitätsklinikum Jena

Thema und Fragestellung

Mit politischer Verfolgung einhergehende Belastungen und Problemlagen sind komplex und erstrecken sich über mehrere Professionsfelder, die über das klinische Feld hinausgehen. Dies hat zur Folge, dass die klinische Versorgungslandschaft bei ihrer Arbeit auf Praktiker aus gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Feldern angewiesen bleibt. Die bestehende klinische Versorgungslandschaft ihrerseits ist mit ihren differenzierten Zuständigkeiten für Außenstehende schwer zu überblicken. Hieraus resultiert, dass die gesamte Landschaft helfender Angebote über mehrere unverbunden neben einander stehende Professionsfelder zersplittert ist, gleiches gilt für die bestehende Literatur.

Zudem entstehen aufgrund der zunehmenden zeitlichen Distanz zum erlittenen SED-Unrecht neue Herausforderungen. Einerseits treten neue Problemlagen älterer Menschen und die Thematik transgenerationaler Übertragung von Belastungen in den Vordergrund. Auf Seiten des Hilfesystems andererseits rückt eine neue Generation professioneller Helfer nach, die weder die besonderen zeithistorischen Kontexte noch die vorhandene Fachliteratur kennt.

Zuletzt besteht bei politischer Traumatisierung in DDR die Besonderheit, dass dieser Gegenstand nah an polarisierenden soziopolitischen Diskussionen verortet ist, was im Bereich klinischer Hilfe auch die differenzierte Reflexion sozialpsychologischer und soziologischer Effekte notwendig macht.

Ziel des Teilprojektes ist es, professionelle Helfer unterschiedlicher Disziplinen durch Entwicklung klinisch-wissenschaftlicher Weiterbildungsmodule zu unterstützen. Voraussetzung hierfür ist der netzwerkorientierte Einbezug bereits bestehenden einschlägigen Fachwissens und vorhandener Unterstützungsstrukturen.

Methodisches Vorgehen

In Kooperation mit der Koordination, anderen Teilprojekten des Verbundes und mit Netzwerkpartnern sind folgende drei Bausteine geplant. Die drei Bausteine entsprechen in etwa chronologischen Schwerpunkten der drei Projektjahre, da die drei Bausteine zunehmend erste Verbundergebnisse und Vernetzungen mit Kooperationspartnern voraussetzen:

  1. Literaturdatenbank und Übersichten. Einschlägige klinische und psychosoziale Literatur und Multimedia werden in einer Datenbank gesammelt, gruppiert und mit einer Zusammenfassung versehen. Die Übersicht wird dem Fachpublikum zugänglich gemacht. Zudem wird die Bündelung Forschungsstandes durch Unterstützung bei Übersichtsarbeiten und Schwerpunktheften gefördert.
  2. Curriculare Weiterbildung. Ergänzend zu und in Kooperation mit bereits vorhandenen Weiterbildungsstrukturen und -angeboten werden Weiterbildungscurricula entwickelt, im Pilotlauf erprobt und evaluiert. Diese setzen sich aus unterschiedlichen Modulen zusammen. Durch das modulare Konzept lassen sich weiterführend für unterschiedliche, auch bisher wenig beachtete Berufsgruppen adaptierte Teil-Curricula zusammenstellen.
  3. Langfristige Bedarfsanalyse: Auf Basis bestehender Literatur, laufender Erhebungen und Evaluationen von durchgeführten Pilotcurricula werden vordringliche Weiterbildungsbedarfe und -inhalte für eine kontinuierliche Weiterbildungsarbeit im Netzwerk ermittelt.

Veröffentlichungen

  • Gallistl, A., Schneider, N., & Strauß, B. (2024). Curriculare Weiterbildung für die Fallarbeit in mit ehemals Verfolgten befassten Professionen: Strukturaufbau. In: B. Strauß, J. Frommer, G. Schomerus, & C. Spitzer (Hrsg). Gesundheitliche Langzeitfolgen von SED-Unrecht. Gießen: Psychozial-Verlag. 185-203. [PDF]
  • Gallistl, A. Schneider, N., & Strauß, B. (2024). Bedarfe und klinische Versorgung betroffener von SED-Unrecht. Die Psychotherapie. In review.
  • Gallistl, A. Schneider, N., & Strauß, B. (2024). Gesundheitliche Langzeitfolgen von SED-Unrecht. Bericht aus dem Forschungsverbund „Gesundheitliche Langzeitfolgen von SED-Unrecht“ Teil I. Der Stacheldraht, 2/2024, 14-16.
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