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Startseite / Patienten und Angehörige / Behandlung auf Station / Wieder aufgepäppelt nach Hause

Wieder aufgepäppelt nach Hause

Jenaer Team der Geriatrie hilft gemeinsam Patientinnen und Patienten

Assistenzärztin Luisa Gerold untersucht ihren Patienten Horst Kreutzmann.

„Bitte denken Sie an Ihre Schlüssel, damit Sie in Ihre Wohnung kommen.“ Mit dieser Erinnerung verabschiedet sich Carolin Gantz, Mitarbeitende des Sozialdienstes, von Horst Kreutzmann. Der 96-Jährige wurde 16 Tage lang auf der Station A430 der Klinik für Geriatrie betreut und behandelt, bis er schließlich wieder nach Hause in seine Wohnung in Jena durfte. Nachdem er mit kardialer Dekompensation, also akuten Herzproblemen, starken Wassereinlagerungen und Luftnot über den Rettungsdienst in die Zentrale Notaufnahme eingeliefert wurde, kam er schließlich für die stationäre Behandlung und Betreuung in die Klinik für Geriatrie. „Herr Kreutzmann ist ein ganz klassischer Patientenfall für die Geriatrie. Die meisten unserer Patientinnen und Patienten sind über 70 Jahre alt. Er gehört zur Gruppe unserer ältesten Patientinnen und Patienten und zeigt das typische Bild der Multimorbidität, also mehrere Erkrankungen gleichzeitig“, erklärt Assistenzärztin Luisa Gerold.

Der 96-Jährige leidet an chronischer Herzinsuffizienz und wurde bereits aufgrund mehrerer Klappenfehler am UKJ behandelt. Mit dem geriatrischen Komplexprogramm sollen Patientinnen und Patienten wie Horst Kreutzmann wieder Lebensqualität erhalten, mobiler und gestärkt in die Häuslichkeit zurückkehren. „Unsere Ziele waren, das Herz zu entlasten, seine Luftnot zu verbessern, die Schwellungen der Beine zu verringern, seine Mobilität durch Physiotherapie zu fördern und Schmerzeinstellungen vorzu- nehmen. Das haben wir erreicht. Ganz einfach ausgedrückt, geht es darum, Patientinnen und Patienten wieder aufzupäppeln. Für sein Alter ist es beeindruckend, dass er körperlich und geistig noch so fit ist. Seine positive Einstellung hat die ganze Behandlung erheblich erleichtert“, ergänzt Facharzt Stanislav Protuc.

Facharzt Stanislav Protuc hat Patient Horst Kreutzmann während seiner Zeit auf Station begleitet.

Stolz zeigt Horst Kreutzmann in einer der Untersuchungen auf seine Hosenträger, die wieder notwendig sind. Er habe in der Zeit auf Station über sieben Kilo verloren und das an Wasser. Sein Allgemeinzustand habe sich rasch verbessert. Er kann wieder richtig reden, während er vor der stationären Behandlung sehr schlecht Luft bekommen hat. Kein Wunder, drückte doch allein rund ein Liter Wasser rund um die Lunge. Seine Haut juckte so stark, dass er nachts nicht mehr gut schlief. Hier konnte das Jenaer Team der Geriatrie mit einer Salbe Abhilfe verschaffen. Das Team hat ihm nicht nur körperlich geholfen, sondern auch seiner Psyche gutgetan. Horst Kreutzmann: „Alle haben mich hier so zuvorkommend behandelt, sich Zeit genommen und mir geholfen. Und mir Mut gemacht. Sie haben mir quasi die Wünsche von den Augen abgelesen. Ich danke dem gesamten Team, insbesondere Herrn Protuc.“

„Patienten, die zuhause alleine wohnen und in schlechtem Zustand kommen, profitieren bereits enorm von der Gesellschaft, egal ob in Form des Personals oder durch Mitpatientinnen und -patienten“, bestätigt Stanislav Protuc.

Damit das geriatrische Komplexprogramm wirken kann, arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Physio-, Psycho- und Ergotherapie interprofessionell zusammen. Während der Rentner zu Beginn der Therapie nur wenige Schritte gehen konnte, verließ er die Station mit dem Rollator. Insgesamt greifen auf der Station viele Maßnahmen ineinander, die dafür sorgen, dass er wieder die Kraft hatte, um in seine gewohnte Umgebung entlassen zu werden. „Gegen das Wasser haben wir eine Diurektika-Therapie eingesetzt. Medikamente sorgten dafür, dass sein überschüssiges Wasser über den Urin ausgeschwemmt wird“, erklärt der Facharzt für Geriatrie.

Für sein Alter und seine Vorerkrankungen sei der Verlauf auf Station sehr gut gewesen. Sein Barthel-Index, mit dem der Grad seiner Selbstständigkeit erfasst wurde, habe sich ebenfalls verbessert. „Dieser lag mit 55 bei einem mittleren Wert, ist aber für sein hohes Alter sehr gut“, so das Fazit von Luisa Gerold.

Der Sozialdienst schaut vorbei: Carolin Gantz führt mit Horst Kreutzmann das Entlassgespräch.

Um abzusichern, dass Patientinnen und Patienten wie Horst Kreutzmann wieder in die Häuslichkeit entlassen werden können, ist Carolin Gant z für die geriatrische Station A430 und die Alterstraumatologie der B230 zuständig. Aber Carolin Gantz Aufgaben beginnen bereits direkt nach Aufnahme auf Station. Am Anfang jeder Aufnahme steht das Soziale Assessment, bei dem die aktuelle Versorgungssituation der Patientin beziehungsweise des Patienten ermittelt wird. Dieses umfasst zum Beispiel Fragen nach der aktuellen Wohnsituation, dem bisherigen Unterstützungsbedarf und Angeboten, vorhandenen Hilfsmitteln sowie dem persönlichen Netzwerk aus Angehörigen und Nachbarn. „All das erfasse ich. Wenn es danach Gesprächsbedarf gibt, bin ich für die Patientinnen und Patienten vor Ort immer individuell erreichbar“, erzählt sie. Ihr geht es auch darum, Infos zum Hintergrund der Patientin beziehungsweise des Patienten mitzunehmen. Alle Puzzleteile zusammen er geben dann ein Gesamtbild.

Carolin Gantz: „Viele erzählen mir im Erstgespräch ihre gesamte Lebensgeschichte. Diese Hintergrundinfos helfen wiederum in den Teambesprechungen weiter, indem wir besser verstehen können, warum die Patientin beziehungsweise der Patient vielleicht in einer Situation so reagiert.“

Wenn der Entlass-Zeitpunkt feststeht, ermittelt sie den Hilfsbedarf und kümmert sich beispielsweise darum, welche Hilfsmittel zu Hause benötigt werden oder etwa auch, ob eine alternative Wohnform angebracht ist. Denn nicht jede Patientin beziehungs- weise jeder Patient kann wieder so selbstständig wie Horst Kreutzmann entlassen werden. In seinem Fall gab es etwa neue Kompressionsstrümpfe für Zuhause. Diese werden vor Entlassung auf Station ausprobiert, vor allem wenn eine Patientin oder ein Patient keine Erfahrung damit hat, damit es mit dem Anziehen klappt.

Carolin Gantz hält vor Entlassung Rücksprache mit den Angehörigen oder mit der gesetzlichen Betreuung. Sie steht hier auch in engem Austausch mit den Pflegediensten und Pflegeheimen. „Wenn ich innerhalb weniger Tage einen Platz in einem Pflegeheim organisieren muss, ist das schon eine Herausforderung“, erzählt sie. Einmal wöchentlich bespricht sie mit dem Team die Patientinnen und Patienten. Die Mitarbeiterin des Sozialdienstes schätzt, dass sie sich im Alltag eng mit allen Berufsgruppen auf Augenhöhe austauscht, von der Pflege, über den ärztlichen Dienst, Ergo- und Physiotherapie. Ihr macht es Spaß, dass sie mit verschiedenen Berufs- gruppen interagieren kann und nicht alles nach Schema F läuft. Bereits seit 2017 ist Carolin Gantz speziell für die Geriatrie da. Sie hat dabei genauso die Angebote der Nachsorge im Blick wie Vermittlung zu Tagesangeboten oder Vereinen. „Wenn möglich beziehen wir immer die Angehörigen mit ein. Herr Kreutzmann war als Patient sehr unkompliziert und man hat gemerkt, wie dankbar er ist“, berichtet sie.

Mit festem Händedruck verabschiedet sich der Jenaer von der Mitarbeiterin des Sozialdienstes. Auch wenn sich Horst Kreutzmann gefreut hat, wieder nach Hause in seine Wohnung zu kommen, hat er sich auf der Station A430 wohl und jederzeit umsorgt gefühlt. „Ich ziehe den Hut vor allen, die hier arbeiten. Es hat mich so aufgebaut, wenn sich jemand Zeit für mich genommen hat, sich ans Bett setzte und einfach mit mir erzählte.“ Er selbst wisse, was Pflege bedeute. So hat er sich über drei Jahre lang um seine demenzkranke Frau gekümmert. Er ist natürlich in seinem Zuhause nicht ganz allein. Etwa dreimal die Woche bekommt er Unterstützung in alltäglichen Aufgaben durch einen ambulanten Betreuungsdienst. Sein Essen kann er nun aber beispielsweise wieder selbst kochen.

 

Sie möchten mehr zur Geriatrie am UKJ erfahren? Dann schauen Sie gern in unsere Ausgabe des UKJ-Klinikmagazins "Gut Alter(n)".

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