Um abzusichern, dass Patientinnen und Patienten wie Horst Kreutzmann wieder in die Häuslichkeit entlassen werden können, ist Carolin Gant z für die geriatrische Station A430 und die Alterstraumatologie der B230 zuständig. Aber Carolin Gantz Aufgaben beginnen bereits direkt nach Aufnahme auf Station. Am Anfang jeder Aufnahme steht das Soziale Assessment, bei dem die aktuelle Versorgungssituation der Patientin beziehungsweise des Patienten ermittelt wird. Dieses umfasst zum Beispiel Fragen nach der aktuellen Wohnsituation, dem bisherigen Unterstützungsbedarf und Angeboten, vorhandenen Hilfsmitteln sowie dem persönlichen Netzwerk aus Angehörigen und Nachbarn. „All das erfasse ich. Wenn es danach Gesprächsbedarf gibt, bin ich für die Patientinnen und Patienten vor Ort immer individuell erreichbar“, erzählt sie. Ihr geht es auch darum, Infos zum Hintergrund der Patientin beziehungsweise des Patienten mitzunehmen. Alle Puzzleteile zusammen er geben dann ein Gesamtbild.
Carolin Gantz: „Viele erzählen mir im Erstgespräch ihre gesamte Lebensgeschichte. Diese Hintergrundinfos helfen wiederum in den Teambesprechungen weiter, indem wir besser verstehen können, warum die Patientin beziehungsweise der Patient vielleicht in einer Situation so reagiert.“
Wenn der Entlass-Zeitpunkt feststeht, ermittelt sie den Hilfsbedarf und kümmert sich beispielsweise darum, welche Hilfsmittel zu Hause benötigt werden oder etwa auch, ob eine alternative Wohnform angebracht ist. Denn nicht jede Patientin beziehungs- weise jeder Patient kann wieder so selbstständig wie Horst Kreutzmann entlassen werden. In seinem Fall gab es etwa neue Kompressionsstrümpfe für Zuhause. Diese werden vor Entlassung auf Station ausprobiert, vor allem wenn eine Patientin oder ein Patient keine Erfahrung damit hat, damit es mit dem Anziehen klappt.
Carolin Gantz hält vor Entlassung Rücksprache mit den Angehörigen oder mit der gesetzlichen Betreuung. Sie steht hier auch in engem Austausch mit den Pflegediensten und Pflegeheimen. „Wenn ich innerhalb weniger Tage einen Platz in einem Pflegeheim organisieren muss, ist das schon eine Herausforderung“, erzählt sie. Einmal wöchentlich bespricht sie mit dem Team die Patientinnen und Patienten. Die Mitarbeiterin des Sozialdienstes schätzt, dass sie sich im Alltag eng mit allen Berufsgruppen auf Augenhöhe austauscht, von der Pflege, über den ärztlichen Dienst, Ergo- und Physiotherapie. Ihr macht es Spaß, dass sie mit verschiedenen Berufs- gruppen interagieren kann und nicht alles nach Schema F läuft. Bereits seit 2017 ist Carolin Gantz speziell für die Geriatrie da. Sie hat dabei genauso die Angebote der Nachsorge im Blick wie Vermittlung zu Tagesangeboten oder Vereinen. „Wenn möglich beziehen wir immer die Angehörigen mit ein. Herr Kreutzmann war als Patient sehr unkompliziert und man hat gemerkt, wie dankbar er ist“, berichtet sie.
Mit festem Händedruck verabschiedet sich der Jenaer von der Mitarbeiterin des Sozialdienstes. Auch wenn sich Horst Kreutzmann gefreut hat, wieder nach Hause in seine Wohnung zu kommen, hat er sich auf der Station A430 wohl und jederzeit umsorgt gefühlt. „Ich ziehe den Hut vor allen, die hier arbeiten. Es hat mich so aufgebaut, wenn sich jemand Zeit für mich genommen hat, sich ans Bett setzte und einfach mit mir erzählte.“ Er selbst wisse, was Pflege bedeute. So hat er sich über drei Jahre lang um seine demenzkranke Frau gekümmert. Er ist natürlich in seinem Zuhause nicht ganz allein. Etwa dreimal die Woche bekommt er Unterstützung in alltäglichen Aufgaben durch einen ambulanten Betreuungsdienst. Sein Essen kann er nun aber beispielsweise wieder selbst kochen.
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