Clinician Scientist-Programm 2022
Thema: "Effekt von Elektrostimulation und Botulinum-Neurotoxin im Gesicht im telemedizinischen Setting"
Zusammenfassung:
Botulinum-Neurotoxin (BoNT) ist Therapie der Wahl bei Bewegungsstörungen im Gesicht wie beispielsweise der Defektheilung nach peripherer Fazialisparese und Blepharospasmus. Obwohl dies die aktuell beste verfügbare Therapie ist, sehen wir im klinischen Alltag Wirkfluktuationen mit Verkürzung der Dosisintervalle bis hin zum Therapieversagen. Dabei wünschen sich die Patienten meist weniger Injektionsstellen und eine Möglichkeit die Injektionsintervalle zu strecken. Mit der neuromuskulären Elektrostimulation (NMS) betroffener Muskeln gibt es eine potenzielle alternative Therapie, die bereits in Einzelfallberichten als wirksam beschrieben wurde. Wir möchten daher in unserem Projekt die Effektivität der NMS bei Bewegungsstörungen im Gesicht alleine und in Kombination mit BoNT untersuchen. Gerade der additive Effekte, für den es interessante pathophysiologische Rationalen gibt, wurde bisher nicht untersucht. Da unsere klinische Erfahrung zeigt, dass gerade in den ersten Wochen nach Therapiebeginn (z.B. mit BoNT) sehr individuelle Veränderungen der Beschwerden auftreten, wollen wir diese im Rahmen von festen telemedizinischen Videovisiten erfassen und das Therapieregime dementsprechend anpassen. Wir planen eine Studiengröße von insgesamt 120 Patienten, davon 40 Therapie-Naive und 80 mit bestehender BoNT-Therapie mit NMS als Addon oder anstelle der BoNT. Wir beabsichtigen damit eine Therapiealternative bzw. -verbesserung zur etablierten BoNT-Therapie zu entwickeln und gleichzeitig Erkenntnisse über die Pathomechanismen der zugrundeliegende Erkrankung zu gewinnen, die sich auf das große Feld der fokalen / segmentalen Dystonien anwenden lassen. Diese Untersuchung ist in enger Kooperation zwischen der Klinik für Neurologie, der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und dem Fazialis-Nerv-Zentrum Jena (Herr PD G. F. Volk) geplant.