Helene Becker wurde 1864 in Offenbach geboren. Sie war das dritte von neun Geschwistern und das erste von insgesamt vier kleinköpfigen Kindern in derselben Familie. Die Eltern zeigten ihre geistig stark eingeschränkten Kinder gegen Geld auf Jahrmärkten oder führten sie Wissenschaftlern und Ärzten vor, so auch 1867 in Jena.
Die meisten Gelehrten waren sich einig, dass Mikrozephalie eine Entwicklungsstörung oder Fehlbildung ist, rätselten jedoch über die Ursachen. Eine Theorie besagte, dass es sich um spontane „Rückartungen“ (Atavismen) in eine urgeschichtliche Vorstufe des modernen Menschen handeln könnte.
Heute ist bekannt, dass ein Minderwuchs des Kopfes sowohl durch die vorzeitige Verknöcherung aller Schädelnähte (Kraniostenose), als auch durch Fehlentwicklungen des Gehirns entstehen kann. Er geht meist mit verschiedenen geistigen und teils auch mit körperlichen Behinderungen einher.
Helene Becker war den Beschreibungen nach zu keiner Entwicklung fähig und vollständig pflegebedürftig. Ihr ganzes Leben hindurch scheint sie unter schlechter Ernährung und zahlreichen Krankheiten gelitten zu haben. Anfang 1872 starb Helene mit siebeneinhalb Jahren wahrscheinlich an einer Lungenentzündung.
Ihre Kopfabgüsse waren im Januar 2025 "Objekt des Monats" der Jenaer Universitätssammlungen. Der ausführliche Beitrag und weitere Fotos sind unter dem Titel "Ein Kinderschicksal in Gips" im Sammlungsportal der Universität Jena verfügbar.
(Text: U. Lötzsch, Anatomische Sammlung Jena; Stand Januar 2026)
