Im Jahr 1904 fand in St. Louis (Missouri, USA) die Louisiana Purchase Exposition statt, die bis dahin größte Weltausstellung. Das Deutsche Reich präsentierte sich dort in einem eigenen Pavillon.
Wie schon auf der Weltausstellung in Chicago 1893, bewarb eine "Deutsche Unterrichtsausstellung" das deutsche Bildungssystem, angefangen von den niederen Schulen bis zu den Universitäten und anderen Forschungsinstituten.
In der medizinischen Abteilung dieser Bildungsmesse war auch die Jenaer Anatomische Anstalt vertreten: Zur Veranschaulichung des modernen Unterrichts in der Anatomie hatte Institutsdirektor Friedrich Maurer eine Serie von mikroskopischen Schnittpräparaten mit zugehörigen Zeichnungen in die USA geschickt.
Dem vom Reichskommissariat erteilten amtlichen Bericht über die Ausstellung ist zu entnehmen, dass es sich bei den Präparaten in der Hauptsache um feine Schnitte durch verschiedene menschliche Organe handelte. Auch einige Beispiele von Säugetieren und niederen Wirbeltieren waren dabei. Die Jenaer Institutsmitarbeiter Heinrich von Eggeling und Wilhelm Lubosch hatten die Präparate angefertigt.
Heute sind in der Anatomischen Sammlung noch sieben Präparate vorhanden, auf denen ein Etikett der Weltausstellung St. Louis klebt. Handschriftlich vermerkt sind jeweils das präparierte Gewebe und die zum Fixieren und Anfärben verwendeten Chemikalien (Alkohol, Zenker-Lösung, Boraxkarmin, Hämalaun, Methylenblau, van Gieson-Färbung).
Es handelt es sich um folgende Gewebe (v.l.n.r.):
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- "Haut einer Salamanderlarve"
- "Gl(andula) sublingualis Mensch" (Unterzungen-Speicheldrüse)
- "Zunge Hundeembryo"
- "Oesophagus-Magengrenze Mensch" (Speiseröhre-Magengrenze)
- "Pylorus Mensch" (Magenpförtner)
- "Prostata Mensch" (Vorsteherdrüse)
- "Gl(andula) bulbo-urethralis Mensch" (Harnröhren-Zwiebeldrüse)
Für den heutigen Anatomieunterricht sind diese Präparate schon wegen ihres schlechten Erhaltungszustands uninteressant. Allerdings scheinen sie früher im mikroskopisch-histologischen Kurs zum Teil als Demonstrationsobjekte verwendet worden zu sein. Darauf lässt die Markierung wichtiger Stellen mit schwarzem Stift außen auf den Gläsern schließen.



