Ancestral remains aus der ganzen Welt
In den historischen Sammlungsverzeichnissen lassen sich ancestral remains von fast 100 Menschen nachweisen. Etwa 40 von ihnen konnten bis heute in der Sammlung mit hoher Wahrscheinlichkeit identifiziert werden. Außerdem sind 50 Gipsabgüsse und Büsten menschlicher Schädel, Köpfe oder Gesichter vorhanden. Die Menschen stammten von allen Kontinenten.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurden unter Johann Friedrich Fuchs zuerst einige Präparate aus den Körpern Schwarzer Menschen in die Sammlung aufgenommen. Ein mumifizierter Körper und zwei Köpfe von Menschen aus dem Alten Ägypten gingen ebenfalls in dieser frühen Phase bis ca. 1820 in die Sammlung ein. Um 1835 begann Emil Huschke mit kraniologischen Studien und dem systematischen Aufbau einer "Schädelsammlung". Er kaufte u.a. die Schädel von zehn Menschen aus dem damaligen "Niederländisch-Indien" (heute Indonesien), die der auf Java stationierte Arzt Georg Joseph August Kollmann beschafft hatte.
Zwischen 1856 und 1870 gab Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach die Schädel von 17 Menschen aus dem heutigen Indonesien sowie die Gesichtsabgüsse von zehn Menschen aus dem Himalaya und aus Nordamerika, welche die Brüder Schlagintweit angefertigt hatten, in die Sammlung. Weitere Schädel von Menschen aus Australien, Südamerika und Indonesien erhielt das Institut beispielsweise vom Jenaer Chirurgieprofessor Franz Jordan von Ried. Aus der Zeit vor 1900 stammen zudem sechs Büsten des Bildhauers Eduard Schmidt von der Launitz, die Personen unterschiedlicher Herkunft als "Menschentypen" darstellen.
Im Jahr 1912 schließlich nahm die Anatomische Anstalt ancestral remains mehrerer Menschen aus dem heutigen Namibia von Leonhard Schultze(-Jena) entgegen. Sie waren höchstwahrscheinlich Opfer des Genozids an Nama und Herero im damaligen "Deutsch-Südwestafrika" geworden, wie unsere Nachforschungen 2021/22 ergaben. Die erst 1997 in die Sammlung aufgenommenen, aber deutlich älteren dekorierten Schädel von acht Menschen aus der Sepik-Region in Papua-Neuguinea waren ebenfalls Teil dieses Forschungsprojekts.


