Dieser anatomisch unauffällige Schädel eines jungen Mädchens wurde mit einer Dekoration versehen: Auf einer hellen Grundierung sind Blütenranken, biografische Informationen und ein Sinnspruch aufgemalt.
Üblich war eine solche Verzierung in der Alpenregion von Bayern und Österreich im Rahmen von Zweitbestattungen, teils noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Wenige Jahre nach der Beerdigung wurden die Gebeine Verstorbener ausgegraben und anschließend meist in einem sogenannten Ossuarium oder Beinhaus aufbewahrt.
Ausgehend von der Beschriftung konnte gemeinsam mit einem Heimatforscher ermittelt werden, dass es sich um den Schädel der Maria Eham aus Fischbach am Schliersee handelt. Sie war 1814 mit dreizehn Jahren an Typhus gestorben.
Ungeklärt bleibt, wie und wann ihr Schädel nach Jena in die Anatomische Sammlung gelangte.
Der dekorierte Schädel war im Juni 2021 "Objekt des Monats" der Jenaer Universitätssammlungen. Der ausführliche Beitrag und weitere Fotos sind unter dem Titel "Blütenzweige auf dem Schädel" im Sammlungsportal der Universität Jena verfügbar.
In der Herkunftsregion des Mädchens berichtete am 3. August 2021 der Miesbacher Merkur über den Schädel.
(Text: U. Lötzsch, Anatomische Sammlung Jena; Stand Januar 2026)
