Franz Joseph Gall war Anfang des 19. Jahrhunderts Arzt und Hirnanatom in Wien. Er vermutete, dass das Gehirn wie der Körper selbst aus vielen spezialisierten „Organen“ bestehe. In diesen sollten Neigungen, Geistesgaben und Moral ihren Sitz haben. Ihre jeweilige Größe bestimmte demnach die Form des Gehirns.
Gall untersuchte zahlreiche Gehirne von Menschen und Tieren, um diese Organe zu „lokalisieren“. Weil er glaubte, dass sich der Schädel in seinem Wachstum an die Form des Gehirns anpasse, zeichnete er die Organe auf Schädeln ein.
Unter Gelehrten war Galls „Lokalisationslehre“ oder „Organologie“ stark umstritten. Sie legte nahe, dass Seele und Geist auf körperliche Vorgänge zurückgeführt werden könnten, was auf große Ablehung stieß. Seine privaten Vorträge brachten außerdem das Abtasten von Köpfen und Schädeln in Mode. In der Folge wurden die Gräber berühmter Personen geplündert und zahlreiche Schädel gestohlen. Gall wurde schließlich aus Wien ausgewiesen.
Gall hatte seine Lehre zunächst nicht selbst veröffenticht. Er erläuterte sie in Vorträgen anhand von beschrifteten Schädeln, die sich interessierte Zuhörer für ihre weiteren Studien üblicherweise kopierten. In der Anatomischen Sammlung zeugen drei solcher "Gallschen Schädel" von dem Interesse Jenaer Mediziner.