Zystische Tumoren des Pankreas sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume in der Bauchspeicheldrüse, die sich in ihrer biologischen Beschaffenheit, ihrem Malignitätsrisiko und ihrer Behandlung stark unterscheiden. Es ist von entscheidender Bedeutung, zwischen den verschiedenen Typen zu differenzieren, um die richtige Therapie oder Überwachungsstrategie festzulegen.
Zystische Tumoren des Pankreas
Neben dem maligen Tumor des Pankreas können auch gutartige Zysten und andere neuroendokrine Tumoren (NETs) im Pankreas auftreten. Die Therapie richtet sich nach Art und Größe des Tumors und kann von einer regelmäßigen Überwachung bis zur chirurgischen Entfernung reichen.
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Häufige Arten zystischer Tumoren
- Seröse zystische Neoplasie (SCN):
Eine seröse zystische Neoplasie (SCN), auch Seröses Zystadenom genannt, ist in der Regel ein gutartiger Tumor. Er besteht aus vielen kleinen Zysten ("Schwammstruktur"), die eine wässrige (seröse) Flüssigkeit enthalten.
Malignitätsrisiko: Das Risiko, dass eine SCN bösartig wird, ist äußerst gering.
Behandlung: Meistens ist keine Behandlung erforderlich. Stattdessen wird eine regelmäßige bildgebende Überwachung empfohlen, um das Wachstum zu beobachten.
2. Muzinöse zystische Neoplasie (MCN)
Die muzinöse zystische Neoplasie (MCN) tritt fast ausschließlich bei Frauen mittleren Alters im Pankreasschwanz oder -körper auf. Sie besteht aus einer einzigen oder wenigen Zysten, die eine schleimige (muzinöse) Substanz enthalten.
Malignitätsrisiko: MCNs sind prämaligne Läsionen mit dem Potenzial, sich zu einem invasiven Karzinom zu entwickeln. Das Risiko steigt mit der Größe des Tumors und dem Vorhandensein von Wandknoten.
Behandlung: Aufgrund des Malignitätsrisikos wird in der Regel eine chirurgische Entfernung empfohlen.
3. Intraduktale papillär-muzinöse Neoplasie (IPMN)
Die intraduktale papillär-muzinöse Neoplasie (IPMN) entsteht in den Gängen der Bauchspeicheldrüse und ist durch die Produktion von Schleim (Muzin) gekennzeichnet.
Typen:
IPMN des Hauptganges: Betrifft den Hauptgang. Hohes Risiko der bösartigen Entartung.
IPMN der Seitengänge: Betrifft die kleineren Seitengänge. Geringeres, aber vorhandenes Malignitätsrisiko.
Malignitätsrisiko: IPMNs haben ein hohes Potenzial, sich zu einem bösartigen Tumor zu entwickeln, weshalb sie eine genaue Überwachung und oft eine chirurgische Entfernung erfordern.
Behandlung: Die Behandlung richtet sich nach dem Typ und den Risikomerkmalen der Läsion. IPMNs des Hauptganges werden meistens operativ entfernt, während IPMNs der Seitengänge je nach Größe und Merkmalen entweder überwacht oder entfernt werden.
4. Solide-pseudopapilläre Neoplasie (SPN)
Die solide-pseudopapilläre Neoplasie (SPN) ist ein seltener Tumor, der überwiegend bei jungen Frauen vorkommt. Er hat sowohl solide als auch zystische Komponenten.
Malignitätsrisiko: SPNs sind Tumoren mit geringem malignen Potenzial, können aber in die Umgebung wachsen und streuen.
Behandlung: Eine chirurgische Entfernung ist die Standardbehandlung und führt in der Regel zur Heilung.
Diagnostische Verfahren
Die genaue Diagnose des Zystentyps ist entscheidend für die Behandlungsplanung.
MRT/MRCP: Die Magnetresonanztomographie (MRT) mit Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Beurteilung der Zysten.
Endosonographie (EUS): Die Endosonographie (EUS) liefert hochauflösende Bilder der Zysten und ermöglicht die Entnahme von Zystenflüssigkeit (Feinnadelpunktion) zur Analyse.
CT: Die Computertomographie (CT) kann zusätzliche Informationen über die Tumorstruktur liefern.
Literaturangaben
Tanaka, M., et al. (2017). International consensus guidelines 2017 for the management of IPMN and MCN of the pancreas. Pancreatology, 17(1), 1–15.
European Study Group on Cystic Tumours of the Pancreas. (2018). European guidelines on cystic tumours of the pancreas. Gut, 67(5), 770–788.
Scheiman, J. M., et al. (2019). Management of incidental pancreatic cysts: A review. JAMA, 321(1), 77–86.
