Leipzig. Studierende, Promovierende und Postdocs der Universität Leipzig konnten sich in der ersten Runde für eine Förderung des BBZ Venture Labs bewerben, um Ideen jenseits etablierter Curricula zu testen, weiterzuentwickeln und in konkrete Lösungen zu überführen.
Im September wählte ein Auswahlgremium aus den eingereichten Projekten drei aus, die mit bis zu 5.000 Euro pro Projekt gefördert werden.
Folgende Projekte wurden ausgewählt:
Ein kombiniertes Zement- und Aceton-Produktionsverfahren für eine Kreislaufwirtschaft
Projektleiter: Paul Erfurt
Fakultät für Lebenswissenschaften, Mikrobielle Stoffwechselbiochemie
Projektbeschreibung
Die Zementindustrie verursacht etwa 8 % der globalen Kohlenstoffdioxid-Emissionen, wobei zwei Drittel davon durch den Kalzinationsprozess entstehen. Bisher existieren jedoch keine kosteneffizienten, emissionsarmen Produktionsverfahren. Das Projekt zielt darauf ab, kohlenstoffneutralen Zement herzustellen, indem das bei der Kalzination entstehende CO₂ mit Hilfe eines biotechnologisch-chemischen Hybridverfahrens in Aceton umgewandelt wird. Dieses Nebenprodukt findet als wertvoller Grundstoff in der chemischen Industrie Verwendung. Während des Förderzeitraums sollen die Prozessbedingungen optimiert, die Extraktion von Calciumacetat mittels Elektrodialyse getestet und die technisch-ökonomische Machbarkeit sowie das Patentpotential bewertet werden, um eine skalierbare, nachhaltige Lösung für die Zementproduktion zu etablieren.
Screening auf Inhibitoren gegen nicht medikamentös behandelbare Transkriptionsfaktoren
Projektleiter: Dr. Robin Kohler
Medizinische Fakultät, Molekulare Onkologie
Projektbeschreibung
Transkriptionsfaktoren sind regulatorische Proteine, die das Ablesen von Genen steuern und bei Krankheiten wie Krebs und Autoimmunerkrankungen eine zentrale Rolle spielen. Sie waren lange als „undruggable“ angesehen, da sie keine klassischen Zielstellen für Medikamente bieten. Die Forschungsgruppe hat ein innovatives System entwickelt, das sogenannte Transkriptionsfaktor-Destabilisatoren (TF Degrader) identifiziert, die ihre Zielproteine gezielt binden und durch Ubiquitin-Markierung für den Abbau im Zellabbausystem freigeben können. Ziel ist es, einen standardisierten Labor-Test zu etablieren, zunächst am Beispiel des TF dNRF1 und später zur Suche nach Wirkstoffen gegen das für akute myeloide Leukämie entscheidende Protein MYB.
SOFT-EV – Mechanisch definierte Silikon-Scaffolds zur standardisierten MSC-EV-Gewinnung
Projektleiterin: Dr. Peggy Stock
Medizinische Fakultät, Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Projektbeschreibung
Extrazelluläre Vesikel (EVs) aus menschlichen mesenchymalen Stromazellen (MSCs) haben großes therapeutisches und diagnostisches Potenzial, doch ihre Herstellung ist bisher nicht reproduzierbar, da klassische 2D-Kulturen die natürliche mechanische Umgebung von Geweben nicht gut abbilden. Das SOFT-EV-Projekt entwickelt daher eine Silikon-Scaffold-Plattform mit einstellbarer Steifigkeit, um die mechanische Mikroumgebung gezielt zu kontrollieren und so eine standardisierte, reproduzierbare Produktion von MSC-EVs zu ermöglichen. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob die Scaffold-Steifigkeit die Menge und Eigenschaften der freigesetzten EVs beeinflusst und damit als entscheidender Parameter für die Skalierung und klinische Anwendung genutzt werden kann.
Neben der finanziellen Unterstützung erhalten die Teams Zugang zu Laborinfrastruktur, Materialien und Gerätezentren sowie fachliches Mentoring und Coaching durch erfahrene Wissenschaftler:innen, Unternehmer:innen und Gründer:innen, die ihre Expertise in Biophysik, Biomaterialien, Biotechnologie und Medizin in die Weiterentwicklung der Projekte einbringen.
Das BBZ Venture Lab ist ein Experimentierraum für den frühen Forschungstransfer. Es ermöglicht Forschenden, technische Machbarkeit, wissenschaftliche Validierung und potenzielle Anwendungsfelder in einem frühen Stadium parallel zu entwickeln. So werden Forschungsergebnisse schneller in Technologien, Verfahren oder Gründungsvorhaben überführt.
Erstellt von: BBZ Geschäftsführung

