Der 4. Onkologische Pflegetag des Mitteldeutschen Krebszentrums in Jena war auch in diesem Jahr eine rundum gelungene Veranstaltung. Pflegefachpersonen mit Tätigkeitsschwerpunkten in der onkologischen Pflege tauschten sich über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen aus. Mit mehr als 125 Anmeldungen zeigte sich ein großes, engagiertes Teilnehmerfeld, was den intensiven fachlichen Dialog besonders förderte. Neben den beiden Universitätskliniken Jena und Leipzig, die gemeinsam das Mitteldeutsche Krebszentrum bilden, konnten Teilnehmende aus insgesamt 14 Kliniken aus Thüringen, Sachsen und Bayern begrüßt werden.
Im Mittelpunkt des Pflegetages stand ein oft unterschätztes Symptom in der Onkologie – die krebsassoziierte Fatigue. Fatigue ist dabei mehr als „nur“ Müdigkeit und Erschöpfung. Sie stellt eines der am häufigsten benannten Symptome bei Krebsbetroffenen dar und hat zum Teil drastisch negative Auswirkungen auf deren Lebensqualität. Die Vielschichtigkeit dieses Themas spiegelte sich auch in den drei zentralen Vorträgen wider, die unterschiedliche Perspektiven beleuchteten.
Eindrucksvoll konnten die pflegerischen und medizinischen Aspekte aus dem interprofessionellen Behandlungsteam durch die ganz persönlichen Erfahrungen eines Krebsüberlebenden, der an einer starken Fatigue im Rahmen seiner Behandlung litt, ergänzt werden. Die Gefühle, Gedanken und die anfängliche Hilflosigkeit des Betroffenen zeigten allen Teilnehmenden die Relevanz ihrer täglichen professionellen Arbeit sehr eindrücklich auf.
Nach einer kurzen Pause wurde das Thema in neun Workshops weiter vertieft. Diese boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich intensiv auszutauschen, praxisnahe Lösungsansätze zu erarbeiten und neue Impulse für den Berufsalltag mitzunehmen. Die Behandlung und Therapie einer krebsassoziierten Fatigue gelingt nur unter Einbindung aller am Behandlungsprozess beteiligten Berufsgruppen. Die Workshops spiegelten diese interprofessionelle Zusammenarbeit perfekt wider – von konkreten Komplementären Interventionen, über Sport, Ernährung, Tanz und Bewegungsstrategien bis hin zu Achtsamkeit für Pflegefachpersonen und Betroffene war alles vertreten. Neben klassischen Therapieoptionen wie Akupressur oder Entspannungstechniken wurden hier auch neuartige Konzepte vorgestellt. Beispielsweise mit dem Konzept Exergaming. Dabei werden Betroffene durch bewegungsanimierte Spiele und den Einsatz von VR-Brillen zu mehr körperlicher Aktivität motiviert.
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren durchweg positiv. Besonders hervorgehoben wurden die offene Atmosphäre, die praxisnahe Ausrichtung der Inhalte sowie die Möglichkeit zum Austausch. Der Pflegetag wurde als wertvolle Plattform wahrgenommen, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zur Vernetzung und Weiterentwicklung der onkologischen Pflege beiträgt.
Bereits jetzt steht der Termin für den 5. Onkologischen Pflegetag fest: Am 11.03.2027 wird die Veranstaltung am Universitätsklinikum Leipzig stattfinden. Die ersten Vorbereitungen für diesen Pflegetag sind bereits gestartet, um erneut allen Pflegefachpersonen in Mitteldeutschland eine zentrale Anlaufstelle zum Austausch, zur Vernetzung und zum Wissenszuwachs bieten zu können.
Ein Bericht von Andreas Meyer & Robert Palutke in Vertretung für die Arbeitsgruppe Pflege in der Onkologie am Universitätsklinikum Jena.
